07.11.2014
FLUG REVUE

Kalte Krieger vereintEinzigartiger Flottenmix bei der polnischen Luftwaffe

Früher standen sich Muster wie Su-22 und F-16 feindlich gegenüber, heute fliegen sie in Polen Seite an Seite. Das einmalige Kampfjet-Trio komplettiert die MiG-29. Aber auch bei den Transportern kommen immer mehr westliche Typen zum Einsatz.

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Pfft – Mit einem lauten, pfeifenden Geräusch versorgt ein Lastwagen russischer Bauart die Suchoi Su-22 kurz vor dem Flugdienst mit Druckluft für das Bordsystem. Seite an Seite stehen die Jagdbomber auf der Vorstartlinie in Swidwin, fast wie in den Tagen des Eisernen Vorhangs. Doch nur zwei Tage später und einige Kilometer entfernt zieht ein US-Schlepper eine hochmoderne F-16C Block 52 aus der Shelterschleife. Wäre da nicht das rot-weiße Karo am Leitwerk, könnte man glauben, auf einer Basis der US Air Force zu stehen. Doch es handelt sich auch hier um einen Fliegerhorst der polnischen Luftstreitkräfte.

Beim Inventar der zur NATO gehörenden „Siły Powietrzne“ lautet das Motto nun „Klasse statt Masse“. Aus den zu Hochzeiten des Kalten Krieges rund 600 polnischen Kampfflugzeugen sind nun rund 130 geworden, allen voran die 48 F-16C/D des Baustandards Block 52+. Sie verfügen unter anderem über Sniper-Laserzielbehälter, Link-16-Datenlink, AIM-120- und AIM-9X-Flugkörper sowie JSOW-, JDAM- und Paveway-II-Bomben. In Poznan fliegen 32 der Fighting Falcons, die verbleibenden sind in Łask stationiert.
Den Stolz der Soldaten auf ihre neueste Errungenschaft zeigt die Zufahrt zur Basis in Łask: Während die meisten polnischen Fliegerhorste nur schwer zu finden sind, prangt hier schon an der Hauptstraße ein Wegweiser mit einem Bild des Jets. Oberstleutnant Dariusz Malinowski zeigt sich erfreut. „Als Staffelkommandant bin ich in einer sehr glücklichen Lage, denn ich verfüge über 16 Jets und derzeit zwölf Piloten. Wir haben zwar schon Anfang Oktober die jährliche Flugstundenzahl erreicht, aber es gibt in Polen mit der F-16 kein Problem mit Geldmitteln. Wenn wir mehr als vorgesehen fliegen wollen, können wir das.“

Die erste F-16 kam am 3. Oktober 2008 nach Łask. Zuvor lief die umfangreiche, aus nationalen sowie NATO-Mitteln finanzierte Modernisierung der Infrastruktur. Insgesamt errichtete man 58 neue Gebäude. Im Jahr 2012 soll der Verband für die NATO-Response Force einsatzbereit sein. Bis dahin liegt allerdings ein harter Weg vor den Piloten. Den Lernprozess mit dem Sniper-Pod von Lockheed Martin beschreibt der Oberstleutnant als ziemlich schmerzhaft: „Wir suchen daher den Kontakt zu einer Staffel der Royal Air Force, die ebenfalls über den Pod verfügt, um Erfahrungen auszutauschen.“ Auch der Aufklärungsbehälter Goodrich DB-110, von dem sieben Exemplare vorhanden sind, erfordere sehr viel Arbeit, um damit einsatzbereit zu sein. Aufgrund der Komplexität des Waffensystems kommen nur die besten Anwärter auf die F-16, und die sind gar nicht so einfach zu finden. „Selbst einige Piloten der MiG-29 und Su-22 erfüllen die körperlichen Voraussetzungen nicht“, sagt Malinowski. Außerdem müssen die Kandidaten einen englischen Sprachtest bestehen, denn während der Briefings und in der Luft wird ausschließlich englisch gesprochen.


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