28.02.2016
Erschienen in: 05/ 2015 FLUG REVUE

Wächter der MeereSeefernaufklärer der Streitkräfte

Für viele Staaten ist die Sicherung der eigenen Seewirtschaftszone und von Schifffahrtsrouten eine wichtige Aufgabe. Auch Schiffsbekämpfung und U-Boot-Jagd sind im Konfliktfall notwendig. Das Angebot an entsprechend ausgerüsteten Seefernaufklärungsflugzeugen ist breit gefächert.

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Rund 70 Prozent der Erdoberfläche ist von Wasser bedeckt, und die meisten Staaten der Welt haben eine Küste, die Zugang zum Welthandel über See sowie Anspruch auf eine 200 Seemeilen hinausreichende ausschließliche Wirtschaftszone bietet. Dieses Gebiet sowie die internationalen Schiffsrouten zu sichern ist eine Aufgabe für Seeüberwachungsflugzeuge, die heute flexibler denn je sein müssen. Stand zu Zeiten des Kalten Kriegs die Jagd auf gegnerische U-Boote und die Schiffsbekämpfung im Zentrum, so müssen heute auch Missionen zum Schutz vor Piraten, Drogenschmugglern, Terroristen und illegalen Einwanderern geflogen werden. Hinzu kommt die Jagd auf Umweltsünder, die Überwachung von Fischfangbooten und die Hilfe bei Such- und Rettungseinsätzen.

Das breite Einsatzspektrum lässt sich nur mit einer umfassenden Ausrüstung der Seefernaufklärer abdecken. Dazu gehört ein leistungsstarkes Radar, das in der Lage ist, aus dem Grundrauschen der Meeresoberfläche auch kleine Ziele (inklusive Periskope von U-Booten) auf möglichst große Distanz herauszufiltern. Betriebsarten wie SAR (synthetische Apertur) und ISAR ermöglichen die Identifizierung von Schiffen anhand ihres Profils. Neben dem Radar gehören elektro-optische Kameras und Infrarotsensoren zur Grundausstattung. Auch sie bieten heute eine beachtliche Reichweite.

Seefernaufklärer, die auch für die U-Boot-Jagd genutzt werden sollen, benötigen zudem ein akustisches System mit Sonarbojen, die auch leise U-Boote ausmachen können. Hilfreich ist zudem eine Magnetfeldsonde, mit der sich kleinste Störungen im Erdmagnetfeld durch die U-Boote detektieren lassen. Auch Sensoren für Funk- und andere elektromagnetische Strahlen sind wünschenswert.

Alle gesammelten Daten werden zu einem einheitlichen Lagebild zusammengefügt, was heute dank immer leistungsfähigerer Computer einfacher ist. Wesentlich ist eine gute Präsentation für die Bediener, so dass sie sich auf taktische Aufgaben konzentrieren können. Die Auswertung an Bord ist aber nur der erste Schritt. Im heutigen vernetzten Umfeld geht es vor allem darum, die Informationen allen wichtigen Akteuren zur Verfügung zu stellen. Umfassende Kommunikationssysteme mit HF-, VHF- und UHF-Funk sowie SatCom sind somit unverzichtbar.

All diese Systeme kosten natürlich und erfordern je nach Reichweitenforderung ein mehr oder weniger großes und damit teures Flugzeug. Seeüberwachungsflugzeuge gibt es daher in den unterschiedlichsten Gewichtsklassen. Fast allen Mustern gemeinsam ist dabei, dass sie nicht speziell für diese Aufgabe konzipiert wurden, sondern die Entwicklung auf Verkehrs- oder Transportflugzeugen basiert.

Dies gilt auch für den derzeit wohl leistungsstärksten Seefernaufklärer im Angebot, die Boeing P-8A. Bei der Poseidon handelt es sich um eine modifizierte 737-800/900, die man sogar mit einem Waffenschacht hinter den Tragflächen versehen hat. Die P-8A tritt bei der US Navy die Nachfolge der unverwüstlichen P-3 Orion an und ist für alle denkbaren Szenarien gerüstet. In der Kabine sind fünf Bedienerstationen eingebaut, wobei sich die Crew über ein viel bequemeres Arbeitsumfeld als bei der Orion freuen kann. 117 P-8A sollen beschafft werden, dazu kommen bereits Exportaufträge aus Indien (acht plus vier Optionen) und Australien (acht plus vier Optionen, Lieferung ab 2017). Fast 30 Maschinen sind bereits gebaut, wobei in den nächsten Jahren noch geplante Verbesserungen wie Torpedoabwurf aus großer Höhe oder Luftbetankungsmöglichkeit anstehen.

Der Jetantrieb der P-8A erlaubt es, viel schneller im Einsatzgebiet zu sein als Muster mit Turboprop-Antrieb. Ähnliche Überlegungen gelten auch für die Kawasaki P-1, den neuen Seefernaufklärer der japanischen Marineflieger. Der Vierstrahler (F-7-10-Turbofans von IHI) mit Fly-by-Light-Flugsteuersystem wurde von Anfang an für die Aufgabe kon-struiert, nutzt aber den Außenflügel, der auch beim Transporter C-2 verwendet wird. Das Programm begann im November 2001, und nach dem Erstflug im September 2007 wurde die erste Serienmaschine am 26. März 2013 in Gifu übergeben. 70 Flugzeuge sollen beschafft werden.


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