25.11.2016
FLUG REVUE

Deutscher ESA-AstronautAlexander Gerst träumt von Flug zum Mond

Seit einem halben Jahr trainiert der ESA-Astronaut für seinen zweiten Flug zur ISS 2018. Und er denkt schon weiter.

Alexander Gerst in der Cupola der ISS

Auf den Anblick der Erde aus der Cupola der ISS freut sich Alexander Gerst schon. Foto und Copyright: ESA  

 

Im Mai 2016 nominierte die europäische Raumfahrtagentur den Deutschen Alexander Gerst für seine zweite Mission auf der Internationalen Raumstation ISS. Seitdem pendelt der 40-Jährige zwischen Russland und den USA, wo er sich akribisch auf seinen Flug ins All vorbereitet. Für einen kurzen Abstecher ist der gebürtige Künzelsauer bis Sonntag in Köln. Wir haben den Raumfahrer im Europäischen Astronautenzentrum getroffen.

Zwei Dinge sind 2018 anders als bei seiner Blue-Dot-Mission 2014: Gerst wird beim Flug in der Sojus-Kapsel auf dem Pilotensitz Platz nehmen und in der zweiten Hälfte seines sechsmonatigen Aufenthalts auf der ISS als erster Deutscher das Kommando führen. Das vergangene halbe Jahr hat sich Gerst in das Flugkontrollsystem der Sojus eingearbeitet und sein Wissen im Simulator vertieft. "Das geht tatsächlich soweit, dass man mit zwei Joysticks an der Raumstation andocken oder die Kapsel manuell in die Atmosphäre fliegen muss", sagt Gerst. Ein Raumschiff mit 20.000 km/h bis zur Öffnung der Fallschirme von Hand zu steuern, ist kein leichtes Unterfangen. "Es macht aber riesigen Spaß, so ein Raumschiff komplett kennenzulernen."

Mit seinem bisherigen Trainingsstand ist Gerst zufrieden. "Das liegt auch daran, dass es für mich jetzt leichter ist, weil ich einschätzen kann, was wichtig ist." Das sieht er auch für den Start und den Flug mit der Sojus als Vorteil. "Ich freue mich darauf, dass ich jetzt Kapazitäten frei habe, mir ein paar Dinge bewusst merken und anschauen zu können." Beim ersten Start sei man so mit Eindrücken überlastet, dass man vieles ausblende. Zwar fällt durch seine Erfahrung ein Teil der Anspannung vor dem Start weg, Routine ist es aber noch lange nicht. "Routine ist fehl am Platz und auch gefährlich, weil man Achtsamkeit verliert."

Faszinierender Blick aus der Cupola

Auch wenn Gerst sich derzeit voll und ganz auf die Vorbereitung für seine zweite ISS-Mission konzentriert, denkt er schon einen Schritt weiter. "Ein Flug zum Mond oder Mars ist ein riesiger Traum von mir", gesteht er. Wann es wieder eine Landung auf dem Mond gibt, steht noch nicht fest. Aber mit dem Orion-Raumschiff, dass die NASA derzeit gemeinsam mit der ESA baut, sei beispielsweise ein Flug um den Mond herum in absehbarer Zeit möglich. "Ich würde mich freuen, wenn ich da eine Rolle spielen könnte, in welcher Form auch immer."

Doch erst einmal fiebert Gerst dem Anblick der Erde aus der Cupola der ISS entgegen. "Diese Vielfalt, die Erde sieht immer wieder anders aus." Rund 400.000 Fotos hat er bei seinem ersten Aufenthalt auf der ISS gemacht und viele davon in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter geteilt. "Ich habe immer mein Privileg gesehen, dass ich in den Weltraum fliegen und diese Erfahrung machen konnte. Aber für mich war das auch immer eine Pflicht, dieses Privileg weiterzugeben."

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Ulrike Ebner


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