11.08.2011
FLUG REVUE

Astrium schickt ATV auf die Reise

„Edoardo Amaldi“, der dritte europäische Raumtransporter für die Internationale Raumstation, ist per Schiff auf dem Weg zum europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana. Nachdem das ATV am Astrium-Standort Bremen in den letzten Monaten ausführlichen Systemtests unterzogen worden war, ist der Weg nun frei für die letzte Etappe, bevor der Raumtransporter zur ISS fliegt.

Der Start von "Edoardo Amaldi“ ist für das Frühjahr 2012 vorgesehen. Die Produktion der ATV-Einheiten zwei bis fünf sowie die Missionsvorbereitung und die Betriebsunterstützung sind Bestandteil des so genannten „Exploitation“-Vertrages, der den Betrieb und die Versorgung der europäischen Anteile der Internationalen Raumstation ISS umfasst. Astrium ist im Auftrag der ESA auch für die Durchführung dieser Aktivitäten verantwortlich.

"Edoardo Amaldi“ ist nach den äußerst erfolgreichen Missionen von "Jules Verne" und "Johannes Kepler" die zweite Produktionseinheit. Die ESA hat Astrium mit der Produktion von vier ATVs beauftragt. Das ATV 4 „Albert Einstein“ befindet sich bereits in Bremen in der Integration. Für ATV-5 erwartet man in Kürze die ersten Strukturen, um mit der Integration beginnen zu können.

„Edoardo Amaldi“ wird in drei Spezialcontainern zum europäischen Raumfahrtstartgelände Kourou in Französisch-Guayana gebracht. Gleichzeitig gehen etwa 45 Seecontainer mit Testausrüstungen auf die Reise. In Kourou werden schließlich das Raumfahrzeug, das Frachtmodul ICC, die Sonnenkollektoren und das SDM (Distanzmodul zwischen ATV und Ariane) endmontiert. Danach wird das ATV vor Ort nochmals umfangreichen Tests unterzogen, bevor es betankt, beladen und als Nutzlast auf eine Ariane 5 integriert wird.

Mit dem ATV leistet Europa seinen Beitrag zur Versorgung der Internationalen Raumstation. Bei einer typischen Mission wird der Raumtransporter Wasser, Gase, Treibstoff, Lebensmittel sowie wissenschaftliche Ausrüstungen und Experimente zur ISS bringen. Zum Abschluss seiner Mission wird das ATV mit Abfällen beladen und von der Station abgetrennt; anschließend verglüht es beim kontrollierten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Außerdem ist das ATV auch zuständig für die regelmäßige Bahnanhebung der ISS auf ihren Betriebsorbit in rund 400 Kilometern Höhe, die Lageregelung des Orbitalkomplexes und für Manöver zur Vermeidung von Kollisionen mit Weltraummüll.

Die maximale Nutzlastkapazität des 20 Tonnen schweren ATV liegt bei bis zu sieben Tonnen Nettofracht. Diese Ladung kann je nach Mission unterschiedlich aufgeteilt sein: 1,5 bis 5,5 Tonnen Fracht und Vorräte (Lebensmittel, Forschungsinstrumente, Werkzeug usw.), bis zu 840 Kilogramm Trinkwasser, bis zu 100 Kilogramm Gase (Luft, Sauerstoff und Stickstoff), bis zu 4,6 Tonnen Kraftstoff für die Bahnhöhenkorrektur und Lageregelung sowie bis zu 860 Kilogramm Treibstoff zum Auftanken der Station.

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flugrevue.de/Matthias Gründer



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