29.06.2014
Erschienen in: 07/ 2012 FLUG REVUE

Nachschub für die ISSATV - Das grösste Raumfahrzeug Europas

Fast acht Tonnen trockene, flüssige und gasförmige Fracht schleppt jedes Automated Transfer Vehicle zur ISS. Dort korrigiert es die Bahn der Station und verglüht anschließend als milliardenteurer Schrott. Soll das alles gewesen sein? Lesen Sie hier einen Bericht aus der FLUG REVUE vom Juli 2012.

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Größenvergleich des ATV (ganz unten) mit den übrigen Baugruppen der ISS. Foto und Copyright: NASA  

 

Nach dem gegenwärtigen Planungsstand soll die Internationale Raumstation noch acht Jahre lang betrieben werden. Befindet sie sich dann noch in gutem technischem Zustand und stellen alle an dem Unternehmen beteiligten Länder ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung, dann könnten wohl noch rund zehn Jahre hinzukommen. Eine ziemlich lange Zeit also, in der ein Pendelverkehr unumgänglich ist: Astronauten müssen an ihren Arbeitsplatz und nach der jeweiligen Mission sicher wieder nach Hause gebracht werden, Treibstoff, Lebensmittel, Atemluft, Trinkwasser und vieles andere mehr gehören zur Lebenserhaltung, und Experimente sowie die dazu gehörigen Materialien müssen auch in die Umlaufbahn. Schließlich ist Müll zu entsorgen, und wichtige Ergebnisse der Forschungsarbeit werden auf der Erde zur Auswertung erwartet. Für alle diese Flüge wird eine kleine Flotte unterschiedlichster Raumtransporter eingesetzt, die nicht zuletzt auch den jeweiligen technologischen Stand der Hersteller widerspiegelt.

Lange Zeit standen die US-amerikanischen Space Shuttles an der Spitze dieser Armada, und ohne ihre Transportkapazität wäre der Bau der Station gar nicht möglich gewesen. Sie schleppten die meisten der Module nach oben und auch viel Material für deren Inneneinrichtung, und zwischendurch brachten sie an Bord von Logistikmodulen so viel Fracht wie möglich an Bord. Nicht zuletzt dienten sie als Zubringerfahrzeuge für den Austausch der Stammbesatzungen, doch seit einem Jahr ist ihre Ära vorbei. Nach und nach beziehen sie ihre endgültigen Abstellplätze in Museen der USA, wo Nostalgiker künftig glorreichen Zeiten nachtrauern können.

Immerhin ist gerade das erste Muster der neuen, kommerziellen Dragon-Kapsel von SpaceX zum Jungfernflug gestartet, und wenn alles gut geht, könnte sie für den Personen- und Frachttransport zur ISS eingesetzt werden; die NASA jedenfalls hat voller Vertrauen in den Partner aus der Privatindustrie schon mehr als ein Dutzend Flüge fest bestellt.


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Matthias Gründer


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