19.11.2014
FLUG REVUE

Kometenlander Philae treibt eine Thermalsonde ins Eis

Die Thermalsonde MUPUS, eines von zehn Experimenten auf dem Kometenlander Philae, ist auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko auf sehr hartes - wahrscheinlich eisreiches - Material gestoßen und hat dort eine Temperatur von minus 170 Grad Celsius gemessen.

mupus

Die Skizze zeigt die Position der Thermalsonde am Lander Philae. © DLR  

 

In der Nacht vom 13. auf den 14. November 2014 war die Thermalsonde vom sogenannten „Balkon“ des Landers - das heißt von der nach vorne geöffneten Instrumentenbucht an der hinteren Seitenwand von Philae - ausgefahren worden. Danach sollte sie sich rund 40 Zentimeter in den Kometenboden hämmern. Dies misslang, obwohl die Hammerleistung nach und nach bis auf die höchste Stufe gefahren worden war. Aus Vergleichsmessungen im Labor schätzten die Wissenschaftler ab, dass die Thermalsonde wahrscheinlich unter einer zehn bis 20 Zentimeter dicken Staubschicht auf eine Schicht gestoßen sein muss, die eine Festigkeit wie die von Eis haben sollte. Der Infrarotsensor des Instruments hat eine geringe thermische Trägheit der aufliegenden Staubschicht festgestellt. Das Team geht also davon aus, dass unter der sehr porösen Staubschicht Eis ansteht. Dieses enthält wahrscheinlich Staub und könne selbst durchaus auch porös sein, aber über Jahrhunderte bis Jahrmillionen thermisch gesintert, also immer wieder durch Temperaturschwankungen mehr und mehr zusammengebacken worden sein.

Der Infrarotsensor der Sonde, die am Institut für Planetologie der Universität Münster gemeinsam mit dem Space Research Center in Warschau und anderen internationalen Partnern entwickelt worden war und inzwischen vom DLR-Institut für Planetenforschung betreut wird, hatte schon während des Anflugs und während der Sprünge über dem Kometenboden Daten registriert. Die ebenfalls zu MUPUS gehörenden Thermalsensoren und Beschleunigungsmesser in den Ankern konnten allerdings nicht zum Einsatz kommen, weil die Ankerharpunen nicht ausgelöst und in die Kometenoberfläche unter dem Lander geschossen werden konnten. Die endgültige Landestelle liegt vermutlich rund einen Kilometer von der ursprünglich angepeilten entfernt - vor einer wahrscheinlich aus Eis bestehenden Wand. Dem Team des Lander-Kontrollzentrums des DLR gelang es aber, alle zehn Instrumente auf Philae zu betreiben und Daten aus dem All zu erhalten.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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