09.01.2014
FLUG REVUE

Internationale Hilfsaktion DLR-Satellitendaten halfen bei der Rettung des Eisbrechers „Akademik Schokalskij“

Zehn Tage saßen 74 Wissenschaftler und Touristen an Bord des russischen Forschungsschiffs "Akademik Shokalskiy" in der Antarktis fest. Starker Wind hatte Eisschollen in eine Bucht getrieben und das Schiff blockiert. Hochauflösende Satellitendaten des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt halfen bei der Beurteilung der Eissituation vor Ort.

eisbrecher

Radaraufnahme der Packeiszone rund um die beiden Eisbrecher. © DLR  

 


Aus einer Höhe von etwa 500 Kilometern kann TerraSAR-X den Ozean und das Meereis durch Wolken hindurch und bei Dunkelheit mit einer Streifenbreite von 30 Kilometern erkunden. Dazu sendet er Mikrowellen aus, die auf der Erdoberfläche je nach Untergrund unterschiedlich reflektiert und vom Satelliten wieder aufgenommen werden. Die Auflösung dieser Technologie ist mit bis zu drei Metern sehr hoch. Das ist wichtig, weil das Eis innerhalb von wenigen hundert Metern sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Mit den Satellitendaten erhalten die Wissenschaftler ein hochaufgelöstes Bild der Eisoberfläche.

Im Fall der „Akademik Schokalskij" wurden im Near-Realtime-Modus Satellitenbilder an der Bodenstation des DLR in Neustrelitz prozessiert und nur eine Stunde nach Aufnahme der Szene über der Antarktis an das australische Rettungszentrum übermittelt. Wissenschaftler des DLR-Instituts für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme hatten das festsitzende Forschungsschiff am 1. Januar 2014 vom Satelliten aufnehmen lassen. Die Schiffe wurden auf den Bilden mit der Software der maritimen Forschungsstelle des DLR in Bremen aufgespürt, wobei der Kontrast und die unterschiedliche Textur zwischen Schiff und Meereis genutzt wird um die Schiffe in den Eismassen zu erkennen.

Die Radaraufnahmen zeigen im Westen einjähriges Eis - also im Winter frisch gefrorenes Eis, welches rund um die „Akademik Schokalskij“ stark deformiert ist. Die Bilder zeigen außerdem westlich des Schiffs größere Schollen, die weniger deformiert sind. Im Nordosten befindet sich offenes Wasser. Meereisforscher des Alfred-Wegener Instituts und des EOC analysierten die Bilder und leiteten die Ergebnisse an das australische Rettungszentrum, die Emergency Response Division der Australian Maritime Safety Authority weiter.

Der „Akademik Schokalskij" kam schließlich der chinesische Eisbrecher „Xue Long“ zur Hilfe, doch dann wurde auch dieser vom Eis eingeschlossen. Die Passagiere des russischen Forschungsschiffs wurden am 3. Januar 2014 mit einem Helikopter der „Xue Long“ zu dem australischen Eisbrecher „Aurora Australis“ ausgeflogen, der auf dem offenen Meer wartete. Inzwischen konnten sich beide Eisbrecher aus eigener Kraft wieder aus dem Eis befreien.

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flugrevue.de/Matthias Gründer



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