29.10.2013
FLUG REVUE

Sieben Planeten um einen SternDLR-Wissenschaftler entdecken ähnliches Sonnensystem

Ein Team von Astrophysikern am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat mit deutschen und europäischen Kollegen das bisher umfangreichste Planetensystem an einem anderen Stern entdeckt: Um den Stern KOI-351* kreisen sieben Planeten, so viele, wie in keinem anderen bekannten Planetensystem außerhalb unseres Sonnensystems.

sonnensystem-vergleich

Vergleich der Planetenbahnen unseres Sonnensystems (blau) mit denen von KOI-351 (rot). © DLR  

 

Diese Himmelskörper sind darüber hinaus ähnlich angeordnet wie unsere acht, mit kleinen Gesteinsplaneten nahe dem Zentralgestirn und riesigen Gaskugeln in größerer Entfernung. Allerdings ist das Planetensystem KOI-351 wesentlich dichter zusammengedrängt, bietet aber trotzdem einen interessanten Vergleich zu unserer kosmischen Heimat. Drei von ihnen wurden bereits in den letzten Jahren entdeckt. Sie umkreisen den Stern mit Perioden von 331, 211 und 60 Tagen, also Umlaufzeiten, die mit denen der Erde, der Venus und des Merkur vergleichbar sind. Der äußerste der sieben Planeten umkreist den Stern in einer Entfernung von etwa 150 Millionen Kilometern. Das entspricht einer Astronomischen Einheit (AE) und damit ziemlich genau der Distanz der Erde von der Sonne. Das bedeutet, dass das System aus sieben Planeten auf einem Raum zusammengedrängt ist, der dem Raum zwischen Erde und Sonne entspricht.

Die Entdeckung ist auch ein Zeichen in die Zukunft bei der Suche nach extrasolaren Planeten. Nachdem die beiden erfolgreichen Weltraumteleskope Kepler und CoRoT in diesem Jahr ihren Dienst aufgeben mussten, schauen die Planetenjäger nun voller Hoffnung auf die zur Entscheidung anstehende PLATO-Mission der ESA. PLATO (PLAnetary Transits and Oscillations of Stars) soll auf den Erfahrungen von CoRoT und Kepler aufbauen und nach Planetensystemen um nahe und damit helle Sterne suchen, für die umfangreiche Nachbeobachtungen möglich sind. Dadurch könnte man neben dem Radius (wie bei dem System KOI-351) der Planeten auch ihre genaue Masse bestimmen. Dies würde einen ersten Blick auf die Zusammensetzung der Planeten erlauben. Außerdem wäre es für solche nahen Systeme sogar möglich, die Atmosphäre der Planeten zu untersuchen, in denen vielleicht Hinweise auf die Aktivität von Lebewesen zu finden sein könnten. Das wäre ein entscheidender Durchbruch auf der Suche nach der zweiten Erde. Die ESA wird Anfang 2014 eine Entscheidung über die PLATO-Mission fällen.

 

* KOI ist die Abkürzung für „Kepler Object of Interest“, was bedeutet, dass der Stern während der Mission des NASA-Weltraumteleskops Kepler zwischen 2008 und 2013 beobachtet und dabei als Kandidat für die Existenz von Exoplaneten eingestuft worden ist. KOI-351 ist nun der Stern mit den meisten bekannten extrasolaren Planeten. Der Stern befindet sich in 2500 Lichtjahren Entfernung von der Erde.

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flugrevue.de/Matthias Gründer



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