01.11.2010
FLUG REVUE

shuttle-abschied 3Ein FLUG-REVUE-Rückblick auf 30 Jahre bemannte US-Raumfahrt, Teil 3

von Raumfahrtredakteur Matthias Gründer

In den bisher erschienenen 24 Folgen dieses Berichts beschrieb ich die Entwicklung und die ersten Einsätze des teilweise wieder verwendbaren Raumtransportsystems, mit öffentlich gefeierten Erfolgen, aber auch mit Mängeln, von denen die NASA gewollt hätte, dass sie besser nicht bekannt werden. Lese ich mir jetzt noch einmal diese kurzen Kapitel durch, fällt mir auf, dass fast immer nur von der Technik die Rede ist, kaum jedoch von den Menschen, den Ingenieuren, Wissenschaftlern und Technikern, und auch nicht von jenen Männern und Frauen, die als Shuttle-Astronauten ins All flogen.

Nach oft jahrelanger intensiver Vorbereitung, unzähligen Trainingseinheiten und Simulationen gaben sie das Beste, was man von ihnen erwarten konnte. Sie wussten um die Probleme ihrer Raumflugzeuge und setzten sich dennoch hinein. Schon deshalb muss man sie, die oft genug mit den Tücken der Technik zu kämpfen hatten, uneingeschränkt als Helden bezeichnen. Ihre Namen aber liest man und vergisst sie wieder. Wie kommt das?

Während sich die Namen die Raumfahrtpioniere ins Gedächtnis eingebrannt haben, war mit der Einführung der Raumgleiter ein spezielles Phänomen zu beobachten. Die Tatsache, dass hier jedes Mal mehrere Astronauten, üblicherweise sind es bei den Shuttle-Flügen bis zu sieben, gleichzeitig ins All fliegen, lässt das Individuum hinter die Crew zurück treten. Die Routine des Shuttle-Betriebs zeigte sich auch daran, dass der Umfang der Berichterstattung in den Medien – von wenigen Ausnahmen abgesehen - immer mehr abnahm. Das Aussetzen kommerzieller Nutzanwendungssatelliten war ja auch nicht gerade spannend, und vom Inhalt und der Bedeutung der wissenschaftlichen oder technologischen Experimente verstanden auch nur die wenigsten etwas. Das war nicht der Stoff, der Schlagzeilen hervorbringt, und so erlitten die Raumfahrer das Schicksal, das alle Beteiligten an einer technischen Neuerung kennen: Je mehr Zeit vergeht, desto unspektakulärer wird sie. Erst wenn die Routine unterbrochen wird, eventuell gar Schlimmeres passiert, bekommen die Beteiligten wieder die volle Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Genau so war es auch bei den Space Shuttles.

Robert Gibson, Kommandant der Mission STS-61C im Januar 1986, erinnerte sich später an diesen, seinen zweiten Flug:
“In mancher Hinsicht beendete dieser Flug das goldene Zeitalter des frühen Shuttle-Programms. Zehn Tage später startete die Challenger, und niemand von uns wird jemals die Verzweiflung vergessen, die wir beim Verlust unserer Freunde von STS-51L empfanden. Die letzte Erdumkreisung von STS-61C wird in meiner Erinnerung stets als Erlebnis von Schönheit und stiller Ehrfurcht weiterleben – rückblickend war es das Ende der Unschuld.“


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