01.03.2013
FLUG REVUE

Einmal Mars und zurück

Vor zwölf Jahren war er der erste Weltraumtourist. Jetzt offeriert Dennis Tito eine private Marsmission, die schon in fünf Jahren starten soll.

Einen Sturm im Wasserglas entfachte der Multimillionär und Gründer der "Inspiration Mars Foundation" bei der Vorstellung seiner "Mission for America": In fünf Jahren sollen ein  Mann und eine Frau 501 Tage an Bord einer Raumkapsel verbringen, dabei zum Mars fliegen, diesen umrunden und wieder zurückkehren. Weil die Planeten Erde, Venus und Mars Anfang 2018 günstig zueinander stehen, sollen kaum Bahnmanöver nötig sein; allein mittels Swing-by-Manövern will Tito die Flugbahn beeinflussen.

Die Öffentlichkeit reagiert auf die Ankündigung gespalten. Einige sind begeistert, dass endlich mal wieder jemand Visionen hat, im Gegensatz zur allseits gescholtenen NASA, doch die kann nur im Rahmen ihrer von der Regierung bereitgestellten Finanzen handeln. Andere schütteln nur den Kopf, denn der bisherige Langzeitrekord wurde mit 437 Tagen vom russischen Kosmonauetn  Waleri Poljakow aufgetellt, aber dessen MIR-Station war im Vergleich zu der nun zu verwendenden Dragon Kapsel ein riesiger Palast.

Medizinisch sind zahlreiche Fragen überhaupt noch nicht geklärt, wie zum Beispiel der Schutz vor der solaren und kosmischen Strahlung während des Fluges, und psychologisch haben die USA praktisch kaum Erfahrungen mit Langzeitflügen. Ein paar ihrer professionellen Astronauten haben es auf ein knappes halbes Jahr am Stück in der Umlaufbahn gebracht, aber das war's dann auch schon. Dafür gab es in der Raumfahrtgeschichte schon russische Langzeitkosmonauten, die kurz davor waren, sich in der engen Blechbüchse die Schädel einzuschlagen.

Tito indessen glaubt, alle Probleme mit Geld aus dem Weg räumen zu können und will als Visionär in die Geschichtsbücher eingehen. Dabei hat er die wichtigste Frage noch nicht beantwortet: Was soll das Ganze? Einmal hinfliegen, den Mars aus der Nähe sehen, nicht mal landen dürfen und einfach wieder abhauen? Das können automatische Sonden besser und viel billiger. Titos Mission soll "Amerika Wissen, Erfahrungen und Impulse für die nächste große Ära der Weltraumforschung bringen." Große Worte, aber dafür braucht er rund zwei Milliarden Dollar. So viel hat nicht einmal er auf dem Konto.

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flugrevue.de/Matthias Gründer



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