18.05.2011
FLUG REVUE

Endeavour-Kapitäne tauschen Briefe aus

Etwa zur gleichen Zeit, als in Florida die Raumfähre Endeavour zu ihrer letzten Mission vor der Außerdienststellung aufbrach, stach in Australien ein Segelschiff gleichen Namens in See: der Nachbau jener Endeavour, mit der einst Captain James Cook von 1768 bis 1771 die Welt umsegelt hatte.

16 Tage wird der Flug der Endeavour zur Internationalen Raumstation dauern, bevor sie ihre letzte Reise ins Museum antritt. 13 Monate hingegen dauert es, mit "Her Majesty's Bark Endeavour" den australischen Kontinent zu umrunden und dabei in 18 Häfen anzulegen. Das Schiff aus der historischen Flotte des australischen Nationalen Marinemuseums legt in der Stunde 2,5 Seemeilen zurück; fünf könnten es sein, wenn der diskret eingebaute Hilfsdiesel zugeschaltet wird.

Da kann der Shuttle-Orbiter mit ganz anderen Zahlen aufwarten: Einmal aller 91 Minuten umkreist die Endeavour die Erde, in einer Höhe von 400 Kilometern über der Erdoberfläche und mit einer Geschwindigkeit von 32.400 km/h, rund zehnmal so schnell wie eine Gewehrkugel. Dennoch verbindet beide Schiffe eine ganze Menge, wie sich die beiden Kapitäne in Briefen bestätigten, welche den größten Respekt vor der Leistung der jeweils anderen Crew ausdrücken.

Captain Ross Mattson, Master der HMB Endeavour, schreibt unter anderem:
Es ist ganz sicher ein Zufall, dass Ihr Schiff an jenem Tag ablegte, als genau 241 Jahre zuvor James Coook zum ersten Mal seinen Fuß auf australischen Boden setzte. Und dennoch teilen unsere beiden Schiffe mehr als nur den Namen, denn sie stehen für unser Streben nach dem Verstehen der Vergangenheit und der Zukunft.
Ebenso wie die Entdecker der damaligen Zeit wagen auch Sie und Ihre Crew sich in unbekannte Fernen und gehen an Ihre Grenzen, während wir auf unserer Reise Wetter- und ozeanische Daten sammeln, genau wie Cooks Mannschaft vor 240 Jahren ... Ich wünsche Ihnen und Ihrer Mannschaft eine gute Reise und eine glückliche Rückkehr aus jenem fernen Ozean.

Commander Mark Kelly bedankt sich mit herzlichen Worten:
In der Tat verbindet unsere beiden Schiffen nicht nur jener letzte Holznagel, der beim Bau Ihres Schiffes eingeschlagen wurde und der beim Erstflug unserers Orbiters im Mai 1992 um die Erde geflogen war. So wie einst James Cook fremde Kulturen entdeckte, entdecken auch wir an Bord der Raumstation mit Astronauten aus vielen Ländern Gemeinsamkeiten und Unterschiede im friedlichen Umgang miteinander.
Möglicherweise wird eines fernen Tages eine neue Endeavour diesen Entdeckergeist zu den Sternen tragen. Zur Zeit allerdings gibt es keine besseren Beispiele für die Suche nach neuem Wissen als unsere beiden Schiffe ... Möge Ihre Reise unter einem guten Stern stehen und von glücklichen Winden begleitet werden.

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flugrevue.de/Matthias Gründer



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