08.10.2014
FLUG REVUE

Sojus-Flug VS09Ergebnisse der Startanomalie vom 22. August veröffentlicht

Die am 25. August unter Leitung des ehemaligen Generalinspekteurs der ESA, Peter Dubock, nach Fehleinschuss von Galileo-Satelliten mit einer Sojus-Rakete von Arianespace, der ESA und der EU installierte unabhängige Untersuchungskommission präsentierte am 7. Oktober nach einem Meeting in der Arianespace-Zentrale ihre Ergebnisse auf Basis der von russischen Partnern zur Verfügung gestellten Daten. Sie stimmen mit den Resultaten der Untersuchung seitens der russischen Raumfahrtagentur überein.

fregat

Nach 45 erfolgreichen Einsätzen zeigte sich bei Fregat erstmals ein Konstruktionsfehler. © NPO Lawotschkin  

 

Der Start war am 22. August von Kourou aus erfolgt. Der erste Teil der Mission verlief nominal und es gab kein Versagen des dreistufigen Sojus-Trägers. Auszuschließen ist auch die Hypothese, dass etwa anormales Verhalten der Satelliten die Anomalie ausgelöst hätte. Diese ereignete sich 35 Minuten nach dem Start während des Flugs der Fregat-Oberstufe des Herstellers NPO Lawotschkin zu Beginn der ballistischen Phase vor der zweiten Zündung.

Das zur Anomalie des Fehleinschusses der Satelliten führende Szenario wurde wie folgt rekonstruiert: In der zweiten Antriebsphase der Fregat erfolgte eine Fehlleitung des Schubs für das Triebwerk der Fregat. Diese resultierte aus dem Funktionsverlust der Trägheitsnavigation der Stufe (Verlust der „inertialen Referenz“). Der Verlust entstand durch Fehler zweier Lagekontrolldüsen der Fregat während der vorhergehenden ballistischen Phase. Ursache dafür war eine temporäre Unterbrechung der gemeinsamen Hydrazinleitung beider Düsen, welche wiederum vom Gefrieren des Hydrazins erzeugt worden war. Das Gefrieren resultierte aus der Nähe der Hydrazin- zu den kalten Heliumleitungen; beide Leitungen waren durch eine gemeinsame Aufhängung und damit eine thermische Brücke verbunden. Mehrdeutigkeiten der Designvorschriften lassen die Installation einer solchen thermischen Brücke zu. Solche wurden nun auch bei anderen aktuellen Fregat-Produktionen bei NPO Lawotschkin entdeckt. Der Mehrdeutigkeit der Designvorschriften liegt die Vernachlässigung der relevanten thermischen Transfers durch die Thermalanalysen des Stufensystem-Designs zugrunde.

Kernursache der Anomalie von Flug VS09 ist also eine Unzulänglichkeit im Design der Thermalanalysen des Stufenverhaltens und nicht ein Fehler in der Produktion. Die entsprechenden thermalen Analysen wurden tiefgreifend untersucht, um alle relevanten Aspekte zu beleuchten. Auf Basis dieses nun vollständig aufgeklärten Design-Fehlers hat die Untersuchungskommission folgende Korrekturen gewählt, um zum regulären Flugbetrieb zurückkehren zu können: Neufassung der Thermalanalyse des Systems, entsprechende Korrekturen der Design-Dokumente sowie Modifikationen der Dokumente für Produktion, Zusammenbau, Integration und Inspektionsverfahren der Versorgungsleitungen.

Diese Maßnahmen können leicht und sofort vom Hersteller auch an bereits produzierten Stufen umgesetzt werden. Damit steht der Sojus-Träger ab Dezember 2014 wieder für seine nächste Mission vom europäischen Raumfahrtstartgelände aus bereit. Neben diesen Maßnahmen wird NPO Lawotschkin Arianespace mit allen hilfreichen Informationen zur Robustheit des Fregat-Designs versorgen, welche vor dieser Anomalie bereits bei 45 Erfolgsmissionen in Serie bewiesen worden war.

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flugrevue.de/Matthias Gründer



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