21.10.2010
FLUG REVUE

Erster Swarm-Satellit ist fertiggestellt

Mit der Fertigstellung der ersten Flugeinheit des Swarm-Satellitentrios beim europäischen Raumfahrtunternehmen Astrium in Friedrichshafen hat die ESA-Mission zur Erforschung des Erdmagnetfeldes einen entscheidenden Meilenstein erreicht.

Aufgabe der Mission Swarm (englisch für Schwarm) ist es, das Erdmagnetfeld und seine Entwicklung mit einer bisher nicht erreichten Genauigkeit zu untersuchen. Die Erkenntnisse werden unser Verständnis des Erdinnern und des Klimas verbessern. Das Satellitentrio soll 2012 vom russischen Weltraumbahnhof Plessezk ins All starten. Die Satelliten durchlaufen in Ottobrunn bei München eine dreimonatige Testreihe, um ihre Weltraumtauglichkeit unter Beweis zu stellen. Der jetzt fertiggestellte Satellit wird noch im Oktober nach München ausgeliefert. Die Satelliten Nr. 2 und Nr. 3 werden im Februar bzw. April 2011 folgen.

Die für Mitte 2012 geplante Swarm-Mission wird Jules Vernes Reise zum Mittelpunkt der Erde indirekt nachvollziehen. Um neue Einblicke in die Zusammensetzung und die Prozesse im Erdinneren zu erhalten, braucht man heute weder zu graben noch zu bohren. Man muss vielmehr in eine Erdumlaufbahn fliegen. Das Zauberwort heißt Satellitenfernerkundung. Direkte Einblicke in das Erdinnere vermitteln das Schwere- und Magnetfeld der Erde, deren orts- und zeitabhängige Variationen mit dynamischen Vorgängen im Erdkern in Verbindung gebracht werden.

Sehr präzise und hochauflösende Messungen von Stärke, Ausrichtung und Schwankungen des Erdmagnetfelds, ergänzt durch präzise Navigation, Beschleunigungsmessungen und Messungen der elektrischen Feldstärke, liefern die notwendigen Beobachtungsdaten, um verschiedene Quellen des Erdmagnetfelds unterscheiden und in Modellen erklären zu können. Die Beobachtung aus dem Weltraum liefert einen einzigartigen Einblick in die Zusammensetzung und die Prozesse im Inneren der Erde. Außerdem ermöglicht die Mission Analysen des Einflusses der Sonne auf das System Erde. Die immer bessere Kenntnis des Magnetfelds hat aber auch einen ganz praktischen Nutzen. Erwartet werden vor allem eine zukünftig sehr viel genauere Navigation von Schiffen und Flugzeugen, die Entdeckung neuer Ressourcen im Erdinneren, eine bessere Vorhersage des Weltraumwetters und eine rechtzeitige Warnung vor Strahlengefahren.

Die drei identischen Swarm-Satelliten sollen also die bislang genaueste Vermessung des Erdmagnetfeldes und seiner Veränderungen vornehmen. Sie werden auf polaren Umlaufbahnen in 490 km Höhe ausgesetzt. Nach vier Jahren werden zwei nebeneinander fliegende Satelliten auf einer Orbithöhe von 300 km unterwegs sein. Die Bahn des dritten Satelliten wird dann um 90 Grad versetzt über das tiefer fliegende Paar hinweg führen. Alle drei Raumflugkörper werden vom russischen Startplatz Plessezk (ca. 800 km nordöstlich von Moskau) mit nur einer einzigen Rockot-Trägerrakete gestartet.

 

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