20.05.2015
FLUG REVUE

Signale aus dem AllESA feiert 40 Jahre Bodenstationsnetzwerk ESTRACK

Am 19. Mai hatte das weltweite Netz der ESA-Bodenstationen, das der Kommunikation mit europäischen Satelliten und Raumsonden dient, Geburtstag. An diesem Tag vor 40 Jahren nahm die nahe Madrid gelegene Station Villafranca ihren Probebetrieb auf und bildete noch im gleichen Jahr mit weiteren Stationen in Deutschland (Odenwald) und in Belgien (Redu) den ersten sogenannten ESTRACK-Verbund.

estrack

Die Bodenstationen des ESTRACK sind über die ganze Welt verteilt. © ESA  

 

Das erfolgreiche Netzwerk hat sich aus kleinen Anfängen heraus entwickelt. Für den 1968 gestarteten ersten europäischen Forschungssatelliten ESRO-2B wollte die ESRO – eine Vorläuferorganisation der ESA – eine eigene Bodenstation zur Verfügung haben. Deren Realisierung scheiterte jedoch an politischen und organisatorischen Schwierigkeiten. Die folgenden, weitaus anspruchsvolleren Missionen konnten aber mit gemieteten Stationskapazitäten nicht mehr bewältigt werden. Deshalb war es nötig, möglichst schnell ein eigenes Netz zu errichten. Im November 1974 einigten sich die ESA-Mitgliedstaaten auf den Bau mehrerer Bodenstationen mit spezifischen Aufgabenstellungen.

Die erste ESTRACK-Station (ESA Tracking Stations) wurde in Villafranca errichtet. Sie nahm am 18. Mai 1975 ihren Probebetrieb auf und diente überwiegend der Verbindung mit Astronomiesatelliten, wie IUE oder ISO. 1975 kamen zwei weitere Stationen hinzu: Zum einen Michelstadt im Odenwald für den Datenabruf der europäischen Wettersatelliten METEOSAT, zum anderen Redu in den Ardennen (Belgien) für die ersten ESA-Kommunikationssatelliten OTS und Marots (später MARECS) sowie den Forschungssatelliten COS-B. Diese drei Stationen bildeten das erste Kern-ESTRACK.

Daraus entwickelte sich ein weltumspannendes Netz, das heute über zehn Bodenstationen in sieben Ländern verfügt. Fünf Stationen liegen in Europa, zwei in Australien, zwei in Südamerika und eine vor der nordafrikanischen Küste. Zudem kann die ESA über langfristige Verträge zusätzliche Einrichtungen von anderen Raumfahrtagenturen nutzen, nämlich dem DLR (Deutschland), dem CNES (Frankreich), der ASI (Italien), der NASA (USA) und der JAXA (Japan). Weitere fünf kommerziell betriebene Stationen in Norwegen, Hawaii, Chile und Australien können auf Basis von Serviceverträgen in den Betrieb einbezogen werden.

Gesteuert wird das Stationsnetz durch das ESTRACK Control Centre. Es ist beim ESOC angesiedelt, dem europäischen Satellitenoperationszentrum in Darmstadt. Während das ESOC im übertragenen Sinn das „Hirn“ einer Mission repräsentiert, stellt das Bodenstationsnetzwerk die unsichtbaren Nervenbahnen dar, ohne die keine Daten zwischen dem Hirn und den Satelliten ausgetauscht werden können. Die ESA wird die Ausrüstung ihrer Bodenstationen auch in den kommenden Jahren auf dem neuesten Stand halten und weiter ausbauen. Sie ist damit für den Betrieb noch anspruchsvollerer Missionen aus Europa und von Partnern bestens gerüstet. Dem 40. Geburtstag werden also weitere Jubiläen folgen.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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