24.11.2011
FLUG REVUE

ESA-Kontakt zu Phobos-Grunt

Am Dienstag, dem 22. November 2011, konnte die Bodenstation der ESA in Perth, Australien, Kontakt zur russischen Raumsonde Phobos-Grunt aufnehmen. Der Kontakt zu der Mars-Mission war, kurz nachdem sich die Raumsonde von der Trägerrakete getrennt hatte, abgebrochen.

Nach dem Start war die Raumsonde in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht worden, um von dort aus zum Mars aufzubrechen. Unmittelbar nachdem sichPhobos-Grunt  mit der modifizierten Fregatstufe von der Trägerrakete gelöst hatte, empfingen die Flugbetriebsleiter erste Signale, die das Ausfahren der Sonnensegel bestätigten. Außerhalb der Reichweite der russischen Bodenstationen hätten zwei automatische Zündungen des Triebwerks stattfinden und die Raumsonde auf eine interplanetarische Flugbahn in Richtung Roter Planet schicken sollen. Dies scheiterte jedoch und der Kontakt war von diesem Moment an unterbrochen. Allerdings zeigten Beobachtungen, dass die Sonde die Erde in einem Abstand zwischen 200 und 340 Kilometern kontrolliert umkreiste.

Auf eine Anfrage von NPO Lavochkin, Missionsbetreiber der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, erklärte sich die ESA bereit ihr Äußerstes zu tun, um mit Hilfe ihres Netzwerkes aus Bodenstationen Kontakt aufzunehmen. Seit dem 9. November hat die ESA in enger Zusammenarbeit mit den russischen Ingenieuren fast täglich versucht Kontakt zu Phobos-Grunt aufzunehmen. Hierzu wurden zahlreiche Konfigurationen und Funkverbindungsmodi ausprobiert, jedoch ohne Erfolg. Dass der Orbit der Raumsonde nicht exakt bekannt war, stellte für die Experten der ESA ein großes Probleme dar, denn wegen ihrer Antennengröße benötigen Bodenstationen für ihre Ausrichtung normalerweise sehr genaue Informationen über die Sonden-Flugbahn.

In den letzten Tagen war die Hauptschüssel mit 15 Metern Durchmesser in Perth am Rand von einer zusätzlichen, improvisierten „Hornstrahler“-Antenne ergänzt worden. Diese streute Niedrigenergie-Signale über einen weiten Winkel in der Hoffnung, den Satelliten zu einer Reaktion zu bringen. Die Signalenergie wurde zum Teil verringert, weil der Empfänger an Bord von Phobos-Grunt darauf optimiert ist, auch tief im Weltall noch sehr schwache Signal zu empfangen. Perth ist perfekt gelegen, weil die Sonnensegel des Satelliten beim Überflug von der Sonne angestrahlt werden und so dem System volle Energieleistung verschaffen. Am 22. November war die Antenne in Perth zwischen 21.21 und 21.28 Uhr CET in Richtung des erwarteten Orbits der Raumsonde ausgerichtet. Dann wurden von NPO Lavochkin bereitgestellte Fernsteuerungsdaten übertragen.


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flugrevue.de/Matthias Gründer



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