19.12.2013
FLUG REVUE

Bisher genaueste Karte unserer MilchstraßeESA-Raumsonde Gaia gestartet

Die ESA-Raumsonde Gaia startete am Donnerstagmorgen an Bord einer Sojus-Trägerrakete von Kourou aus ins All. Ihr anspruchsvoller Auftrag besteht in der Bestandsaufnahme von einer Milliarde Sonnen.

Gaia im All

Mit der Raumsonde Gaia will die ESA die Milchstraße in nie gekannter Genauigkeit kartieren (Foto: ESA).  

 

Die von Arianespace betriebene Sojus hob um 10.12 Uhr MEZ ab. Nach der Abtrennung der ersten drei Stufen wurde etwa zehn Minuten später die Fregat-Oberstufe gezündet, um Gaia zunächst auf einen Parkorbit in 175 km Höhe zu bringen.

Die zweite Zündung der Fregat elf Minuten später beförderte Gaia dann auf ihre Übergangsbahn, auf der sie 42 Minuten nach dem Start von der Raketenoberstufe abgetrennt wurde. Die Bodenkontrolle im Europäischen Raumflugkontrollzentrum der ESA in Darmstadt stellte die Verbindungen für die Telemetrie- und Lageregelungsbefehle her, so dass das Raumfahrzeug seine Systeme hochfahren konnte.

Der Sonnenschild, der die Arbeitstemperatur von Gaia garantiert und auf dem außerdem die Solarzellen für ihren Antrieb montiert sind, wurde in einem zehnminütigen automatischen Vorgang ausgefaltet, der etwa 88 Minuten nach dem Start abgeschlossen war.

Gaia befindet sich nun auf dem Flug zu ihrer Umlaufbahn um den so genannten Lagrange-Punkt L2 in etwa 1,5 Mio. km Entfernung von der Erde, wo sich die Schwerkraft von Erde und Sonne die Waage halten.

Morgen werden die Ingenieure der Bodenkontrolle Gaia den Befehl für die erste der beiden entscheidenden Triebwerkszündungen geben, um sie auf die gewünschte Flugbahn in Richtung Lagrange-Punkt L2 zu bringen. Die zweite Zündung ist etwa 20 Tage nach dem Start geplant, um die Sonde in ihre Einsatzbahn um L2 einzubringen.

Auf dem Flug dorthin wird auch die viermonatige Einsatzerprobungsphase eingeleitet, während der alle Systeme und Instrumente eingeschaltet, überprüft und kalibriert werden. Erst dann wird Gaia bereit für ihre fünfjährige wissenschaftliche Mission sein.

Gaia soll die bisher genaueste Karte unserer Milchstraße erstellen. Die präzise Erfassung der Positionen und Bewegungen von 1 % der insgesamt etwa 100 Milliarden Sterne wird neue Einblicke in den Ursprung und die Entstehungsgeschichte unser Galaxie ermöglichen.

„Gaia wird auf den Erkenntnissen der bereits 1989 gestarteten ersten ESA-Mission zur Sternenkartierung, Hipparcos, aufbauen, um Einblicke in die Geschichte der Galaxie zu gewinnen, in der wir leben“, so ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.

Bei ihren mehrfachen Himmelsdurchmusterungen im Laufe ihres fünfjährigen Einsatzzeitraums wird Gaia jeden der etwa eine Milliarde Sterne im Durchschnitt 70 Mal ins Visier nehmen und dessen Position, wichtigste physikalischen Eigenschaften, wie Helligkeit und Temperatur, und chemische Zusammensetzung erfassen.

Durch die geringfügigen Änderungen des Blickwinkels von Gaia im Laufe ihrer jährlichen Sonnenumrundung kann sie nicht nur die Entfernung der Sterne, sondern im Laufe ihres Einsatzzeitraums auch deren Eigenbewegung am Himmel messen.

Nach fünf Jahren wird das Datenarchiv mehr als ein Petabyte, d. h. eine Million Gigabyte, umfassen, was etwa 200 000 DVDs entspricht. Mit der Verarbeitung und Analyse dieser Datenflut wird sich das Konsortium zur Verarbeitung und Analyse der Gaia-Daten (DPAC) befassen, das mehr als 400 Mitarbeiter aus über ganz Europa verteilten wissenschaftlichen Instituten vereint.

„Während mit Hipparcos 120 000 Sterne katalogisiert werden konnten, wird Gaia fast 10 000mal so viele mit etwa 40facher Präzision erfassen“, erklärte der ESA-Projektwissenschaftler für Gaia, Timo Prusti. „Zusammen mit den Zehntausenden anderen Himmelskörpern werden wir mit dieser Datenfundgrube ein neues Bild unserer kosmischen Nachbarschaft und ihrer Entstehungsgeschichte entwerfen können, das uns die Erforschung der grundlegenden Eigenschaften des Sonnensystems und der Milchstraße und unserer Position im All ermöglichen wird.“

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KS


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