19.07.2014
Erschienen in: 05/ 2012 FLUG REVUE

Hilfstrupp im AllEuropäische Militärsatelliten

Der „Krieg der Sterne“ findet nicht statt, aber auch für Europas Militärs ist der Weltraum ein Operationsgebiet, in dem Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten stationiert werden. Sie sind für die Unterstützung weltweiter Einsätze unverzichtbar.

Mit Google Earth dem Nachbarn einmal in den Garten zu schauen, ist schon eine interessante Sache, zumal in vielen Gegenden eine sehr gute Auflösung geboten wird. Die Militärs wollen es aber noch genauer wissen: von allen aktuellen und potenziellen Krisen- und Kriegsgebieten werden ständig neue, hochaufgelöste Satellitenaufnahmen als Hilfe bei der Lageeinschätzung benötigt. Das gilt längst nicht mehr nur für die Supermächte – die Streitkräfte der europäischen Länder stehen insbesondere in Afghanistan oder vor dem Horn von Afrika im Einsatz, und auch sie streben mit hohem Aufwand nach der sogenannten Informationsdominanz.

Um Abhängigkeiten von den USA zu vermeiden, verfügt Frankreich seit Mitte der 1990er Jahre über „Spionagesatelliten“ für die optische Aufklärung. Die beiden aktuell eingesetzten Hélios 2A und 2B wurden 2004 und 2009 mit der Ariane 5 auf ihre sonnensynchrone Polarbahn gebracht und erfassen bildlich fast den gesamten Erdball. Zur Ausstattung gehören neben einer im sichtbaren Bereich arbeitenden Kamera mit Teleskopoptik auch ein Weitbereichsensor und eine Wärmebildkamera, die bei Tag und Nacht zusätzliche Informationen im Infrarotspektrum liefert.

Als Nachfolger von Hélios sollen ab 2016 zwei CSO (Composante Spatiale Optique) ins All gebracht werden. Ein Auftrag in Höhe von 795 Millionen Euro wurde im Dezember 2010 an Astrium vergeben. CSO soll sowohl im sichtbaren als auch im IR-Bereich eine nochmals gesteigerte Auflösung bieten. Astrium verspricht zudem dank gyroskopischer Stellantriebe und Faseroptik-Gyroskopen eine beschleunigte Zielausrichtung.

Ergänzend zum Hélios-II-System haben die französischen Militärs seit 1. März 2012 vorrangigen Zugriff auf den im Dezember 2011 in Kourou mit einer Sojus gestarteten Satelliten Pléiades. Er wird von der französischen Raumfahrtbehörde CNES betrieben und bedient zu 60 Prozent zivile Kunden. Seine Kamera verfügt über CCD-Sensoren, die 40-mal lichtempfindlicher sein sollen als die der üblichen Digitalkameras. Etwa 450 Aufnahmen sind pro Tag möglich, wobei die Auflösung im Bereich von 50 bis 70 Zentimetern liegen soll. Der ebenfalls eingebaute Multispektralsensor liefert Bilder mit einer Auflösung von 2,4 Metern.

Pléiades ist ein gutes Beispiel für die Überlappung ziviler und militärischer Anwendungen. In der Tat sind von zivilen Satelliten wie GeoEye, Ikonos oder World-View hochaufgelöste Satellitenbilder auf dem Markt verfügbar, doch entscheidend für die Militärs ist der schnelle und nicht durch irgendwelche politische Überlegungen beschränkte Zugriff auf das Material. Aus diesem Grund haben sich Belgien, Griechenland, Italien und Spanien finanziell an Hélios beteiligt.

Deutschland ging bei seinem Einstieg in die weltraumgestützte Aufklärung einen anderen Weg. Statt optischer Satelliten wurden Radarsatelliten beschafft. Sie bieten dank SAR-Technologie (Antenne mit synthetischer Apertur) Bilder mit einer Auflösung von unter einem Meter, und zwar zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter. Entwickelt wurde SAR-Lupe von der OHB System AG, die in Bremen gleich fünf der je 720 Kilogramm schweren Satelliten baute. Sie wurden mit Kosmos-3M-Raketen auf drei verschiedene Polarbahnen gebracht (2+1+2 Satelliten), was eine gute weltweite Abdeckung mit recht hohen Überflugraten sicherstellt.


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