06.08.2014
FLUG REVUE

Nur 100 Kilomter AbstandKometensonde Rosetta am Ziel

Nach ihrer zehnjährigen Kometenjagd durch den Weltraum ist es der ESA-Sonde Rosetta heute als erstem Raumfahrzeug überhaupt gelungen, sich einem Kometen zu nähern.

Rosetta Komet Artist 2014

Am 6. August 2014 erreichte die ESA-Sonde Rosetta den Kometen Tschurjumow-Gerassimenko (Foto: ESA).  

 

Heute absolvierte Rosetta das letzte von zehn im Mai begonnenen Annäherungsmanövern, bei denen Geschwindigkeit und Flugbahn der Sonde allmählich denen des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko angepasst wurden. Wäre eines dieser Manöver fehlgeschlagen, wäre die Mission gescheitert und Rosetta an dem Kometen einfach vorbeigeflogen. Inzwischen ist Rosetta nur noch 100 km von der Oberfläche des Kometen entfernt, wird sich ihm in den nächsten sechs Wochen aber weiter annähern.

Tschurjumow-Gerassimenko und Rosetta befinden sich derzeit in einer Entfernung von 405 Millionen km von der Erde, etwa auf halbem Weg zwischen den Umlaufbahnen des Jupiter und des Mars. Sie rasen mit einer Geschwindigkeit von nahezu 55 000 km/h auf das Innere des Sonnensystems zu.

Die Reise zu ihrem Zielkometen war für Rosetta alles andere als ein „Direktflug“. Seit ihrem Start im Jahr 2004 ist die Sonde dreimal an der Erde und einmal am Mars vorbeigeflogen, um sich den nötigen Schwung für ihre Kometenbegegnung zu holen.

Diese komplexe Flugroute hat Rosetta außerdem an den Asteroiden Steins und Lutetia vorbeigeführt und ihr gestattet, bislang einzigartige Aufnahmen und wissenschaftliche Daten von diesen beiden Objekten zu übermitteln.

 „Der heutige Erfolg ist das Ergebnis eines gewaltigen internationalen Unterfangens, das sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt hat“, erklärt Alvaro Giménez, ESA-Direktor für Wissenschaft und robotische Exploration.

„Wir haben einen unwahrscheinlich weiten Weg zurückgelegt, seit das Missionskonzept in den späten 70er Jahren zum ersten Mal erörtert und dann 1993 genehmigt wurde. Jetzt endlich ist es soweit, dass wir diese Schatzkiste an wissenschaftlichen Erkenntnissen öffnen können, die dazu führen werden, dass die Lehrbücher über Kometen noch die nächsten Jahrzehnte neu verfasst werden müssen.“

Komet Rosetta August 2014

Die Kamera von Rosetta lieferte bereits im Anflug auf den Kometen detaillierte Fotos (Foto: ESA).  

 

Schon während des Anflugs von Rosetta begann der Komet, nach und nach seine Persönlichkeit zu enthüllen. Von der OSIRIS-Kamera zwischen Ende April und Anfang Juni aufgenommene Bilder zeigten, dass seine Aktivität schwankte. Die Kometenkoma– eine ausgedehnte Hülle aus Gas und Staub – wurde im Laufe dieser sechswöchigen Beobachtung zunächst rasch heller und erstarb dann wieder.

Zur gleichen Zeit durch das Mikrowelleninstrument des Rosetta-Orbiters, MIRO, vorgenommene erste Messungen deuteten darauf hin, dass der Komet rund 300 ml Wasserdampf pro Sekunde an den Weltraum abgibt.

Inzwischen hat VIRTIS, das Abbildungsspektrometer für den UV-, sichtbaren und nahen Infrarotbereich, als Durchschnittstemperatur des Kometen -70 °C gemessen, was darauf schließen lässt, dass seine Oberfläche zu großen Teilen dunkel und staubig, und nicht etwa vollständig mit blankem Eis bedeckt ist, wie zunächst angenommen.

Aus einer Entfernung von rund 12 000 km aufgenommene spektakuläre Bilder zeigten, dass der Kometenkern aus zwei durch ein Art „Nacken“ verbundenen Teilen besteht, was ihm ein entenähnliches Aussehen verleiht. Nachfolgende Aufnahmen enthüllten weitere Details.

Andere auf der Sonde mitgeführte Instrumente werden detaillierte wissenschaftliche Untersuchungen des Kometen vornehmen und auf seiner Oberfläche einen geeigneten Landeplatz für das Landegerät Philae ausmachen. Bis Ende August sollen fünf mögliche Landeplätze ermittelt und Mitte September dann die bevorzugte Stelle ausgewählt werden. Der genaue Zeitpunkt für das Absetzen von Philae, das gegenwärtig für den 11. November geplant ist, soll bis Mitte Oktober bestätigt werden.

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KS


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