10.09.2015
Erschienen in: 06/ 2015 FLUG REVUE

Service aus EuropaKooperation NASA - ESA

Wenn in zwei Jahren eine unbemannte Orion-Kapsel an der Spitze der Trägerrakete SLS ins All fliegt, wird erstmals auch das europäische Servicemodul dabei sein. In Bremen entsteht dafür die Hardware.

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Als die NASA im Jahre 2012 verkündete, dass sie beim Bau der bemannten Raumkapsel Orion erstmals auf internationale Zusammenarbeit setzen und den Auftrag für die Entwicklung und den Bau des Servicemoduls nach Europa vergeben wolle, war das eine hohe Anerkennung für die Experten in Bremen: Hier hatte Astrium, heute Airbus Defence & Space, immerhin fünf automatische Raumtransporter ATV für die Versorgung der Raumstation gebaut, und so war man bestens gerüstet für die neue, höchst anspruchsvolle Aufgabe.

Die offiziellen Verträge zwischen der NASA und der ESA und schließlich zwischen der ESA und Airbus DS wurden indessen erst im November 2014 unterschrieben, und angesichts der Planung, die den ersten Flug des neuen Raumtransportsystems Orion/SLS bereits in zweieinhalb Jahren vorsieht, sei die Frage erlaubt: Ist das überhaupt zu schaffen?

„Natürlich ist der Zeitplan sehr eng“, sagt Dr. Oliver Juckenhöfel, Leiter MPCV & ATV Programme in Bremen, „aber wir mussten ja auch nicht bei Null anfangen.“ Bereits unmittelbar nach der Veröffentlichung der vorläufigen Entscheidung begannen die Experten, die einige Jahre lang ATV-Erfahrungen angehäuft hatten, mit der Arbeit, die recht schnell zu einem vorläufigen Design führte. Anfang 2014 wurde das mit Partnern der NASA und von Lockheed konsolidiert, „aber da war das alles nur Papier“, sagt Juckenhöfel. „Dann begannen wir mit Ingenieursmodellen, und jetzt sind wir bereits in der Hardware-Phase, in der wir die ersten Komponenten bauen.“ Im Januar 2017 soll dann das Flugmodell für den Systemtest an die NASA geliefert werden – ohne die Erfahrungen aus der ATV-Zeit wäre so etwas nie zu schaffen.

Dabei können die Airbus-Ingenieure nur relativ wenige Baugruppen des ATV eins zu eins für Orion übernehmen, denn die Unterschiede werden schon beim Vergleich der Missionsabläufe deutlich: hier der automatische Raumtransporter mit Ziel Internationale Raumstation, wo er die meiste Zeit angekoppelt war, dort die bemannte Raumkapsel mit etwa dreiwöchiger Flugdauer im freien Raum, später sogar mit längeren Missionen in Richtung Mond. Da-raus ergeben sich völlig neue Herausforderungen an die Konstruktion.

Das auffälligste Merkmal am Servicemodul ist der neue Antrieb, für den ein Shuttle-Haupttriebwerk SSME ins ATV integriert werden musste. „Danach begannen die Kleinigkeiten“, erinnert sich Juckenhöfel, die Beantwortung der Frage zum Beispiel, ob man für das Antriebssystem einschließlich der Lageregelung einen isolierten Kreislauf benötigt: „Das ist zwar gut für die Wiederverwendbarkeit, bringt aber mehr Masse. Und so hangeln wir uns bei jeder Frage mit den amerikanischen Kollegen in Richtung Optimierung."

Auf jeden Fall erfährt das ursprüngliche ATV signifikante Veränderungen, bevor es als Orion-Servicemodul wiedergeboren werden kann. Wenn also das Haupttriebwerk genauso betrieben wird wie die Lageregelungsdüsen, muss man von der mechanischen Druckregelung zur elektrischen wechseln. Technologisches Neuland wieder, aber für die Bremer beherrschbar. „Völlig umdenken mussten wir allerdings bei den Sicherheitsanforderungen, denn die Einsparung von Masse führt oft zum Verzicht auf Redundanz.“


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