16.02.2010
FLUG REVUE

"Krokodil" frisst ESA-Satellit

Der europäische Eisforschungssatellit Cryosat-2 ist auf dem russischen Raumfahrtstartgelände Baikonur in Kasachstan vom "Krokodil" verschlungen worden. Ein Spezialfahrzeug - wegen seiner großen Ladeklappe Krokodil genannt - hat die Raketenspitze (Space Head Moule) mit dem von Astrium in Friedrichshafen gebauten Satelliten aufgenommen und zum Startsilo transportiert. Am 25. Februar soll die Trägerrakete Dnjepr aus einem Silo heraus ins All starten und Cryosat-2 auf seine polare Umlaufbahn bringen.

Der Satellit verschwindet im Maul des "Krokodils". © EADS Astrium  

 

Die Cryosat-Mission soll vor allem die polaren Eismassen und die Meereisbedeckung vermessen, die zusammen die Strahlungsbilanz der Erde stark beeinflussen. Aufgrund eines schnellen Abschmelzens der Eiskappen Grönlands und der Antarktis könnte das Schmelzwasser die großen Meeresströmungen beeinflussen - mit unvorhersehbaren Folgen für das Weltklima.

Astrium ist Hauptauftragnehmer für Cryosat-2 und somit für ein aus 31 Unternehmen aus 17 Ländern bestehendes Konsortium verantwortlich. Astrium in Friedrichshafen baute die Satelliten-Plattform und integrierte alle Instrumente. Das Unternehmen ist auch für die Leistungsfähigkeit des gesamten Satelliten gegenüber dem Auftraggeber, der Europäischen Weltraumorganisation ESA, und für den Start verantwortlich. Das industrielle Auftragsvolumen liegt bei rund 75 Millionen Euro. 
Cryosat-2 wird die Erde in 720 Kilometern Höhe umkreisen - auf einer Bahn, die den Satelliten auf jeder Erdumrundung über die Pole führt. Ein spezielles Radarinstrument an Bord des Satelliten wird Daten über Dicke und Ausdehnung der polaren Eismassen und des Meer-Eises liefern. Mit diesem System wird eine mittlere Genauigkeit in der Höhe von ein bis drei Zentimetern erreicht. Es kann auch inhomogene Eisstrukturen im Polarmeer und an den Gletscher- und Treibeisrändern mit sehr steil abfallenden Flanken erfassen. Cryosat-2 verfügt über zwei Antennen, die – ähnlich wie zwei menschliche Augen – räumliches Sehen ermöglichen. Somit wird Cryosats Doppel-Radar die Oberfläche sehr genau abtasten. Fachleute sprechen von Radar-Interferometrie.

Das Radaraltimeter von CryoSat-2 funktioniert unabhängig von Tageslicht und kann auch Wolken durchdringen. Deshalb eignet es sich speziell für die Erkundung der polaren Eismassen, die häufig von Wolken bedeckt sind. Die Daten der Cryosat-Mission sollen Informationen über die Abschmelzrate dieser riesigen Eismassen liefern.




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