15.06.2011
FLUG REVUE

Literatur: Thomas Reiter

Hildegard Werth, Wissenschaftsjournalistin beim ZDF, hat ein Buch über den deutschen Astronauten geschrieben, das beim Rezensenten zwiespältige Gefühle hinterlässt.

Literatur: Thomas Reiter

 

 

Gleich vorweg: Falsch ist nichts an dem Buch, die Fakten stimmen alle, und dennoch: Reiter selbst wollte nicht, dass dieses Buch erscheint, denn es sollte ursprünglich eine Biografie werden. Als Person des öffentlichen Lebens kann sich der Zweifach-Astronaut natürlich nicht wehren, wenn man über ihn schreibt, aber über eine Biografie wollte er doch selbst entscheiden. Also heißt das Buch nunmehr "Das Logbuch zur Karriere". Reiters Berufsweg war damit wohl gemeint, doch schlussendlich ist es ein Logbuch der Karriere der Autorin geworden.

Frau Werth betont bei jeder passenden Gelegenheit, an welchen Pressereisen sie rund um die Welt teilgenommen und dabei Thomas Reiter getroffen hat. Dabei entstanden auch diverse Interviews, aus denen sie gern zitiert, doch der Leser merkt schnell, dass nicht alle Zitate wirklich zum Kontext passen, eben weil sie einmal an anderer Stelle vor einer Fernsehkamera gemacht wurden. Zwischen einem TV- und einem Interview für ein Printmedium gibt es aber sehr große Unterschiede: Beim ersteren gilt "gesagt ist gesagt" (auch wenn man ein wenig daran herumschneiden kann), während man Äußerungen für letzteres gründlicher überlegt und vor allem nachträglich die Möglichkeit für Korrekturen und gefälligere Formulierungen besteht.

So also hat sich die Autorin mit diesem Werk vor allem selbst in Szene gesetzt und den Astronauten nur als Mittel zum Zweck gesehen. Reiter ist ein Mann, der auf die Menschen zugeht, packend und sympathisch zugleich erzählen und seine Zuhörer mitreißen kann - ein wahrer Liebling der Medien. Das kann jeder bestätigen, der schon einmal an einer Veranstaltung mit ihm teilgenommen hat. Vor der Kamera allerdings ist er wie jeder andere auch konzentrierter, wägt die Worte sorgfältiger, was zwangsläufig mit einem Verlust der Spontaneität einhergeht.

Genau das aber ist es, was dem Buch fehlt: Reiters Natürlichkeit und Fabulierkunst. Das "Logbuch zur Karriere" liest sich kühl und unpersönlich und wird dem Charakter seines Helden nicht gerecht. Wie eingangs schon gesagt: Die Fakten stimmen alle, aber in sich stimmig ist das Buch deswegen nicht. Andererseits sind wir auf dem hiesigen Buchmarkt nicht gerade mit Raumfahrtliteratur verwöhnt. Am besten bilden Sie sich selbst eine Meinung.

Hildegard Werth: Thomas Reiter. Leben in der Schwerelosigkeit. F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München, 2011. 272 Seiten mit 42 Abbildungen in einem farbigen Bildteil. ISBN 978-3-7766-2658-2. 19,95 €.

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flugrevue.de/Matthias Gründer



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