28.07.2015
Erschienen in: 05/ 2015 FLUG REVUE

Wanderer im AsteroidengürtelNASA-Raumsonde Dawn

Überaus erfolgreich agiert Dawn im Trümmerfeld zwischen Mars und Jupiter. Dabei stand die Mission einst wegen technischer und finanzieller Probleme in Frage.

Nein, als Sprinterin kann man Dawn wahrlich nicht bezeichnen, doch das sollte sie auch nie sein. Nach dem Start am 27. September 2007 flog sie entgegen des Uhrzeigersinns um die Erde herum, bekam vom Mars einmal kräftig Schwung und erreichte schließlich im Juli 2011 Vesta, den hellsten Asteroiden unter all den mehr als 600 000 Felsblöcken, die zwischen Mars und Jupiter kreisen.

Möglicherweise hätte der Trip etwas schneller ablaufen können, doch die NASA hatte sich für die Installation eines Ionentriebwerks entschieden, das leichter ist und viel weniger Treibstoff mitführen muss als ein herkömmlicher Antrieb. Nur so war es möglich, die Mission in zwei Etappen einzuteilen, denn nach der mehr als einjährigen gründlichen Erforschung der Vesta machte sich Dawn am 5. September 2012 auf den Weg zu ihrem zweiten Ziel, dem Zwergplaneten Ceres.

Den hat sie nun, im März 2015, erreicht, wobei sie sich zunächst auf einem hohen Orbit bewegt, der nach und nach abgesenkt wird. Planetenforscher in aller Welt können es kaum erwarten, dass die Sonde neue Daten und Bilder zur Erde schickt, denn die ersten Fotos, die noch in relativ großer Entfernung entstanden waren, erschienen vielversprechend.

Vorerst ist jedoch Geduld angesagt. Die ersten beiden Wochen nach der Ankunft befand sich Dawn im Funkschatten der Ceres, so dass keine Verbindung möglich war. Erst wenn sie wieder auftaucht, kann die Übertragung der ersten Daten aus der Umlaufbahn gelingen. Bis Juli 2015 soll die Bahn schrittweise abgesenkt werden, so dass Bilder mit immer höherer Auflösung angefertigt und gesendet werden können.

Bis dahin soll auch die vollständige Kartierung der Ceres-Oberfläche abgeschlossen sein, wofür sich an Bord zwei identische Kameras befinden, mit denen auch Multispektralaufnahmen möglich sind. So entstehen nicht nur Fotos im sichtbaren Licht, sondern auch farbcodierte Bilder zur Anzeige der geologischen Zusammensetzung des Zwergplaneten. Beide Kameras wurden unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Deutschland entwickelt und gebaut.

Mit der Kartierung ist aber die Arbeit der Sonde noch nicht abgeschlossen. Immer weiter hinab zur Oberfläche geht es auf einer Spiralbahn, bis auf ein Minimum von 372 Kilometern, das etwa im November 2015 erreicht werden wird. Von hier aus soll im Lauf der sogenannten Sekundärmission die chemische und physikalische Zusammensetzung der Oberfläche erkundet werden.

Derzeit zeichnet sich ab, dass diese Etappe so wie die an der Vesta ein voller Erfolg werden wird. Das mochte vor Jahren kaum jemand glauben, denn die Gesamtkosten der Mission einschließlich des Flugbetriebs liegen bei rund 360 Millionen Dollar – weit mehr, als ursprünglich einmal veranschlagt. Deshalb auch zog die NASA im November 2005 zum ersten Mal die Notbremse, und im März 2006 verkündete sie gar die Streichung des kompletten Vorhabens. Dann hieß es plötzlich, der Beschluss werde nochmals überprüft, und kurze Zeit später, man habe das Programm wieder gestartet. Nach all diesem Nervenkrieg konnte die Wissenschaft den Start schließlich als Erfolg feiern, aber öfters darf so etwas sicher nicht passieren.

FLUG REVUE Ausgabe 05/2015

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