23.04.2015
Erschienen in: 02/ 2014 FLUG REVUE

Mission zum MarsNASA: Space Launch System nimmt Gestalt an

Die NASA hat Großes vor und plant Flüge über die Erdumlaufbahn hinaus, doch dafür braucht sie eine machtvolle Trägerrakete. Das Space Launch System soll Flüge zum Mars wahr werden lassen.

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Lange bevor die Space Shuttles in den Ruhestand geschickt wurden, musste man sich in den USA Gedanken darüber machen, wie künftig Astronauten und Fracht in die Erdumlaufbahn und darüber hinaus befördert werden konnten, denn nach der Ära der wieder verwendbaren Raumflugzeuge würde es weder geeignete Trägerraketen noch Raumkapseln geben. Mit der Apollo-ähnlichen Kapsel Orion hatte sich recht schnell ein Bewerber für den Crewtransport durchgesetzt, und auch die passende Rakete schien mit der Ares gefunden – als langes, schlankes Modell in der bemannten und als dickes, wuchtiges in der unbemannten Version. Sogar ein Probestart der Ares-I hatte bereits stattgefunden, doch dann musste das Programm abgebrochen werden – es wurde einfach zu teuer!

Orion indessen wurde weiter verfolgt, vor allem im Hinblick auf kommende Missionen über die Erdumlaufbahn hinaus, während die NASA für Flüge in die Erdumlaufbahn strategische Partnerschaften mit kommerziellen Partnern einging. Sie verteilte – und verteilt noch immer – großzügig Fördergelder für die Entwicklung von Dragon, Cygnus, New Sheperd oder Dream Chaser, und bis auf den letzteren, kleinen Raumgleiter treten alle Partnerunternehmen auch mit eigenen Trägerraketen zum Wettbewerb an. Nur der NASA fehlte etwas Großes für künftige Unternehmungen, etwas, mit dessen Hilfe man möglicherweise einst sogar den Mars erreichen könnte.

Nur kurze Zeit wurde über das Projekt Liberty von ATK diskutiert, mit der kryogenen Hauptstufe der Ariane 5 als Basis und variablen Oberstufen aus den USA, doch stellte sich bald – wieder einmal – heraus, dass US-Missionen „von nationaler Bedeutung“ nicht mit Hilfe europäischer Technologie verwirklicht werden durften. Es galt, das Fahrrad neu zu erfinden, vor allem musste es größer sein als alles bisher Dagewesene, denn nur eine solche Jahrhundertmaschine konnte dem US-amerikanischen Selbstverständnis entsprechen.

Im September 2011 war es dann soweit, als die NASA mit dem Space Launch System (SLS) das Projekt einer gigantischen neuen Trägerrakete vorstellte, mit deren Hilfe die großen Pläne der künftigen bemannten Raumfahrt der USA verwirklicht werden sollen.

„Jetzt können künftige Entdecker davon träumen, eines Tages auf dem Mars spazieren zu gehen“, rief NASA-Administrator Charles Bolden bei der Präsentation enthusiastisch aus. Gleichzeitig betonte er, dass man bei der Realisierung auf bewährte technische Lösungen setzen werde, wie etwa auf die Verwendung von vier Shuttle-Triebwerken RS-25D/E in der Haupt- und einem J-2X in der Oberstufe. Alle werden von Flüssigwasserstoff (LHX) und Flüssigsauerstoff (LOX) angetrieben, während in der Startphase wie schon bei den Space Shuttles mächtige Feststoffbooster zum Einsatz kommen. Unter der Projektleitung des Marshall Space Flight Centers sind eine 70- und eine 130-Tonnen-Version geplant, erstere für den Transport der bemannten Orion-Raumkapsel und letztere für Fracht, Ausrüstungen und wissenschaftliche Experimente.

Auch wenn recht schnell die Bezeichnung „Recycling-Gigant“ auftauchte, bekannte sich doch die NASA deutlich zu der modularen Architektur, denn weder unlösbare technische noch finanzielle Probleme sollten dieses Programm wie viele seiner Vorgänger frühzeitig zu Fall bringen. Vor allem wollte man unüberschaubare finanzielle Risiken vermeiden, denn die Verwendung existierender Technologien würde eine Menge Entwicklungskosten einsparen.


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Matthias Gründer


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