19.08.2015
Erschienen in: 08/ 2015 FLUG REVUE

Paris Air Show 2015Raumfahrt in Le Bourget

Europäer und Russen zeigten sich selbstbewusst, Chinesen und Japaner waren immerhin vertreten. Nur die USA präsentierten gar nichts.

fr 08-2015 Paris Air Show 2015 ESA (01)

Großes Interesse fand der ESA-Experimentalgleiter IXV. Foto und Copyright: Gründer  

 

Tatsächlich ließ sich auch auf Nachfrage unter all den angereisten Boeing-Experten nicht ein einziger finden, der für Raumfahrt zuständig war, und die gleiche Fehlanzeige gab es auch bei Lockheed Martin. Immer wieder der Hinweis, dass man ja im Netz alle Informationen findet, die man sucht. Dieses Verhalten kann man beinahe verständlich finden, denn wie bereits berichtet, waren selbst große Konzerne der Luft- und Raumfahrt nicht in Le Bourget vertreten. Immer wieder der Verweis auf die hohen Kosten und die Konzentration auf Märkte, wo tatsächlich Geschäfte gemacht werden. Auf reine Leistungsschauen wolle man künftig verzichten.

Vielleicht müssen wir ja tatsächlich umdenken in dieser Beziehung: In der Tat werden in Paris weder Satelliten verkauft noch Startverträge abgeschlossen. Die Europäer indessen nutzten den Auftritt im eigenen „Wohnzimmer“ zum wiederholten Mal für eine umfangreiche Präsentation, die vor allem auf das öffentliche Publikum außerhalb der Fachbesuchertage zielte, denn da kamen die Steuerzahler zuhauf, und die wollten schon wissen, was mit ihrem Geld geschieht.

Paris Air Show 2015 Raumfahrt (01)

Russlands Fregat-Oberstufe dient unterschiedlichen Nutzlasten. Foto und Copyright: Gründer  

 

Russland wiederum, traditionell ein starker Partner in Paris und immer für Überraschungen auf dem Raumfahrtsektor gut, stellte sich als Großmacht der Weltraumfahrt dar, mit wortwörtlich hochfliegenden Plänen, die, wenn sie denn bis zum Schluss finanziert werden, äußerst ambitioniert sind. Zumindest derzeit scheinen Präsident und Regierung voll hinter den Plänen zu stehen, und angesichts der politischen Querelen braucht man auf dieser Seite genau jene Leistungsschau, welche die Amerikaner für sich selbst ablehnen. Dass dahinter die Haltung durchschimmerte, man sei auf Partner eigentlich nicht angewiesen und ziehe all die Projekte notfalls alleine durch, hatte einen unangenehmen Beigeschmack.

Arianespace, Noch-Weltmarktführer auf dem Gebiet des kommerziellen Raumtransports, zeigte sich ebenfalls bescheiden mit seinem stark verkleinerten Chalet und merklich verringertem Personalbestand. Dabei kam von hier die wichtigste Meldung: Der französische Staat überträgt seine Anteile am Unternehmen, gehalten über die nationale Raumfahrtagentur CNES, an das Gemeinschaftsunternehmen Airbus Safran Launchers, das künftig 74 Prozent hält. Damit findet endlich der jahrelange Prozess der „Industrialisierung“ ein Ende, in dessen Folge die Übermacht des CNES im komplizierten Ariane-Geflecht gebrochen wird.

FLUG REVUE Ausgabe 08/2015

Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
flugrevue.de/Matthias Gründer


Weitere interessante Inhalte
ESA-Ministerratskonferenz 10 Milliarden Euro für die europäische Raumfahrt

05.12.2016 - Bei der ESA-Ministerratskonferenz im schweizerischen Luzern haben die 22 ESA-Mitgliedsstaaten sowie Slowenien und Kanada 10,3 Milliarden Euro für Weltraumtätigkeiten und -programme bewilligt. … weiter

Deutscher ESA-Astronaut Alexander Gerst träumt von Flug zum Mond

25.11.2016 - Seit einem halben Jahr trainiert der ESA-Astronaut für seinen zweiten Flug zur ISS 2018. Und er denkt schon weiter. … weiter

75. Starterfolg in Serie Ariane 5 ES bringt vier Galileo-Satelliten ins All

17.11.2016 - Erstmals beförderte eine Ariane 5 vier Galileo-Satelliten gleichzeitig in den Orbit. Damit besteht die Konstellation des europäischen Satellitennavigationssystems nun aus 18 Satelliten. … weiter

Asteroid Impact Mission der ESA Nächste Phase der Asteroidenabwehr-Mission

09.11.2016 - Lassen sich Asteroiden, die auf Kollisionskurs mit der Erde sind, ablenken? Diese Frage soll die Asteroid Impact Mission beantworten. Die endgültige Entscheidung über die Umsetzung steht zwar noch … weiter

Europäisch-russische Marsmission ExoMars Schiaparelli ist abgestürzt

24.10.2016 - Das Landemodul der ExoMars-Mission ist offenbar mit hoher Geschwindigkeit auf der Marsoberfläche aufgetroffen. Darauf deuten Fotos des amerikanischen Mars Reconaissance Orbiter hin. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 12/2016

FLUG REVUE
12/2016
07.11.2016

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Neue Junkers F 13 fliegt
- Dreiteilung airberlin
- Flughafen Lyon
- Erprobung Pilatus PC-24
- Wonsan Air Festival
- Brennstoffzellen im Alltagstest
- Extra Raumfahrt

aerokurier iPad-App