19.04.2010
FLUG REVUE

Obama-Visite am CapePräsident Obama korrigiert Raumfahrtpläne

Als der US-Präsident im Februar 2010 das NASA-Budget für 2011 verabschiedete, war die Enttäuschung groß – bei der NASA, bei vielen Bürgern der USA und natürlich bei Freunden und Verbündeten in aller Welt: Praktisch mit einem Federstrich hatte Obama die Vision „Moon, Mars and Beyond“ seines Amtsvorgängers Bush ausgelöscht.

Obama-Visite am Cape

Obama verabreichte der NASA während seiner Visite am Cape ein Trostpflaster. © NASA  

 

Schon als Bush seine Raumfahrtpläne bekannt gab, waren die Meinungen geteilt. Der unbeliebte Präsident wollte – ähnlich wie John F. Kennedy in den 1960er Jahren – mit einer weit reichenden Raumfahrtvision in die Geschichtsbücher eingehen. Jedoch war schon damals klar, dass seine Nachfolger die Zeche würden bezahlen müssen, und schon der erste in dieser Reihe war „not amused“. Obama hat derzeit andere Sorgen, mit der Wirtschaftskrise, der Gesundheitsreform, den Kriegsschauplätzen in Afghanistan und im Irak. Da mussten Flüge zum Mond und zum Mars erst einmal in die zweite Reihe rücken.

Also verordnete der derzeitige Präsident der NASA einen strikten Sparkurs, so dass die Zukunft des Shuttle-Nachfolgesystems Orion mit einer Apollo-ähnlichen Kapsel und zwei neuen Ares-Raketen in weite Ferne rückte. Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond, machte sich kurz danach zum Sprecher aller Enttäuschten, als er dem Präsidenten vorwarf, dessen Raumfahrtprogramm sei vernichtend für die USA, die damit zu einer drittklassigen Raumfahrtnation deklassiert würden. Anders als in Deutschland, wo Raumfahrtfragen allemal als Wahlkampfthemen diskutabel sind, war das ein schwerer Vorwurf. Den konnte der Präsident des Landes, das sich gern als Führungsnation bezeichnet, nicht auf sich sitzen lassen, und so lenkte er nun ein.

Am 15. April erschien Obama zu einer Visite am Kennedy Space Center in Florida und machte einen moderaten Rückzieher: „Niemand fühlt sich der bemannten Raumfahrt und der Erforschung des Weltalls durch den Menschen so verpflichtet wie ich“, sprach er jene Worte, welche das Volk zu hören wünschte. Seinen Kritiker Armstrong erwähnte er allerdings nicht, hieß dafür umso herzlicher dessen Kollegen Edwin Aldrin willkommen. Ab 2025 will Obama nunmehr Menschen auch über die Mondbahn hinaus fliegen lassen, auf einen Asteroiden beispielsweise, und ab 2035 könne man mit bemannten Marsflügen rechnen. Obama selbst wolle das noch zu Lebzeiten erleben.

Die Streichung des Constellation-Programms verteidigte der Präsident allerdings: „Wir waren schon auf dem Mond. Es gibt aber viel mehr im Weltall zu erkunden.“ Damit dürften die Ares-Raketen nicht weiterentwickelt werden, und aus der ursprünglich für Mondflüge gedachten Orion-Kapsel soll nun ein „Rettungsboot“ für die Internationale Raumstation entstehen. Um sechs Milliarden Dollar wird der NASA-Etat dennoch aufgestockt, womit vor allem eine neue Schwerlastrakete entwickelt werden soll. US-Astronauten gelangen also auf bislang nicht absehbare Zeit nur mit russischen Kapseln in die Umlaufbahn, während neue Transportmöglichkeiten bei der Privatindustrie gesucht werden.

Das Ende der Shuttle-Ära noch in diesem Jahr und die Streichung des Constellation-Programms könnten tausende Arbeitsplätze vor allem in Florida gefährden – und die nächste Präsidentschaftswahl im Jahre 2012. Das weiß Obama ganz genau. Er weiß aber auch, dass er nun der Visionär ist – und dass seine Nachfolger die Zeche werden bezahlen müssen.

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MG


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