10.06.2015
Erschienen in: 12/ 2014 FLUG REVUE

NASA scoutet MarsRaumsonde MAVEN soll Mars-Atmosphäre erforschen

Die Marsatmosphäre ist ziemlich dünn, und sie wird immer dünner. Das könnte am Sonnenwind liegen, der wegen des fehlenden Magnetfeldes ziemlich heftig weht. MAVEN soll nun das Geheimnis lösen.

Zwei aktive Rover gibt es derzeit auf dem Mars, und drei Orbiter umkreisten ihn bis vor kurzem. Doch nun haben der Mars Reconnaissance Orbiter und Mars Odyssey der NASA sowie Mars Express der ESA einen neuen Wegbegleiter bekommen: MAVEN, was für Mars Atmosphere and Volatile Evolution Mission steht.

Seit dem 22. September 2014 umkreist die Hightech-Sonde den Roten Planeten und schickte zu Testzwecken auch schon erste Bilder und Daten zur Erde, auf welche die Wissenschaftler bereits gespannt gewartet hatten. Bevor aber die Arbeit richtig losgehen konnte, war erst einmal ein Versteckspiel angesagt: Mit komplizierten Bahnmanövern  – genannt „duck and cover“ – schickten die Bodenkontrolleure alle drei NASA-Flugkörper quasi hinter den Mars, denn am 19. Oktober flog der Komet C/2013 A1 Sliding Spring dicht an ihnen vorbei. Man wollte vermeiden, dass die Sonden unter dem möglichen Einfluss von Gasen, Eisstückchen oder Staubpartikeln Schaden nehmen, und das dreistündige „Abducken“ hat nach gründlichen Checks wohl wirklich geholfen.

Nur der Mars Reconnaissance Orbiter hat mal kurz „den Kopf gehoben“ und aus 138 000 Kilometern Entfernung den Kometen fotografiert. Neben diesen Bildern gab es auch wissenschaftliche Daten vom Vorbeiflug, den aus dieser Nähe selbst die Experten nicht alle Tage zu sehen bekommen. Immerhin ist Sliding Spring kein bislang bekannter und periodisch wiederkehrender Komet, wie etwa der Halleysche, der schon seit dem frühen Mittelalter beobachtet wird und etwa alle 76 Jahre wieder bei uns vorbeischaut. Vielmehr hat er sich vor einiger Zeit in der Oortschen Wolke, weit hinter der Plutobahn, selbstständig und auf den Weg ins Innere des Sonnensystems gemacht.

Alle Beobachtungen, einschließlich derer von Erdobservatorien aus, ergaben, dass der Komet dann doch wohl um einiges kleiner als ursprünglich erwartet war – ein kleiner Trost, denn der Erde wäre er ganz sicher gefährlich geworden.

Für MAVEN indessen war die Sliding-Spring-Passage eine ungeplante Herausforderung, denn nun konnte die Sonde mit ihrem ausgeklügelten Instrumentenpaket an Bord untersuchen, ob man tatsächlich in der dünnen Marsatmosphäre Material- oder Gasspuren des Kometenschweifs nachweisen kann. Bruce Jakosky von der University of Colorado in Boulder jedenfalls war ganz begeistert von dieser Zusatzaufgabe, „auch wenn ihre Erledigung eigentlich in die sogenannte Kommissionierungsphase der Sonde fällt“. Immerhin war der Übergang in die geplante elliptische Flugbahn um den Planeten erst am 21. September, also zwei Tage nach dem Vorbeiflug des Kometen, geschafft, und jetzt stehen einige Wochen der Kalibration und des gründlichen Finetunings aller Instrumente auf dem Plan.

Die Experten sind sich darüber einig, dass sie selbst bei Beginn der regulären Arbeitsperiode noch genügend Spuren des Sliding Spring in der Marsatmosphäre finden werden. Der Komet war mit einer Geschwindigkeit von 56 Kilometern pro Sekunde am Planeten vorbeigerast und ihm dabei bis auf 139 500 Kilometer nahe gekommen, was etwa einem Drittel der Entfernung Erde – Mond entspricht.

Etwa 100 Minuten später durchquerte MAVEN Reste des Kometenschweifs, und weil die Wissenschaftler annahmen, dass auch diese sich noch mit sehr hoher Geschwindigkeit bewegen, hatte man den Satelliten in eine sogenannte Kauerstellung versetzt, in der er der Gas- und Staubwolke möglichst wenig Angriffsfläche bot. In dieser Position wies die Hauptantenne von der Erde weg, so dass die Kommunikation nur mit sehr geringer Datenrate über eine Ersatzantenne möglich war, und so lenkte man die Sonde zu ihren beiden Schwestern hinter dem Planeten – „duck and cover“, wie bereits erwähnt.


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Matthias Gründer


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