24.02.2010
FLUG REVUE

Riesenkrach in der Antarktis

Wie eine Nadel aus Eis und Schnee sieht der Gletscher B15-K aus, der bei seiner Kollision mit dem Schelfeis vom Radarsatelliten TerraSAR-X des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aufgenommen wurde. Schon seit längerem hatten Wissenschaftler beobachtet, wie der 54 Kilometer lange und fünf Kilometer breite Eisberg von der Strömung um die Antarktis getrieben wurde. Am 11. Februar 2010 geschah es dann: Der mächtige Eisberg prallte gegen die Schelfeiskante an der Atkabucht.

Riesenkrach in der Antarktis

Am 11. Februar krachte der mächtige, langgestreckte Eisberg gegen die Schelfeiskante. © DLR  

 

Aus dem mehrere hundert Meter dicken Ekström-Schelfeis brach ein 300 Meter breites und 700 Meter langes Stück heraus. Damit ist das Schelfeis um 210.000 Quadratmeter kleiner geworden. Im Akustikobservatorium des Alfred-Wegner-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) auf der Eisfläche wurden drei extrem starke Signale aufgezeichnet. Noch fünf Kilometer weiter südlich der Kante bildete sich ein kilometerlanger Riss quer über die Transportrouten. Für die Wissenschaftler des Akustikobservatoriums und der 21 Kilometer entfernt gelegenen Neumayer-Station III des AWI bedeutet dies nun, dass die abgesteckten und gekennzeichneten Wege, die auch bei Schneestürmen noch begehbar sind, verlegt werden müssen.

Was den Wissenschaftlern vor Ort Umstände bereitet, ist für Glaziologen wie Angelika Humbert vom KlimaCampus der Universität Hamburg, ganz besonders reizvoll: "Es ist eine sehr spannende Sache, zu sehen, wie sich die Risse ausbilden." Kollisionen wie diese zwischen Eisberg und Schelfeiskante passierten nur selten: "Meistens laufen die Eisberge auf ihrem Weg vom Ross-Schelfeis um die Antarktis immer wieder auf Grund und verlieren dabei an Größe." Auch das Festeis vor der Schelfeiskante wirke meistens wie ein Puffer, an dem die Eisberge vorbeitreiben. B15-K allerdings kam mit einer imposanten Größe und einem Gewicht von etwa 400 Millionen Tonnen in der Atkabucht vor der deutschen Station an. Selbst das Versorgungsschiff SA Agulhas verließ nach einer rechtzeitigen Warnung die Bucht. Noch zwei Wochen zuvor hatte an der als Nordanleger fungierenden Eiskante die MV Mary Arctica gelegen, um der Neumayer-Station Treibstoff zu liefern.



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