03.05.2011
FLUG REVUE

Sojus-Test in Kourou

Am Europäischen Raumfahrtstartzentrum in Kourou, Französisch-Guayana, ist in dieser Woche die erste Trägerrakete des Typs Sojus probeweise auf ihre Startrampe gestellt worden. Der erste simulierte Start soll in wenigen Tagen erfolgen.

Die Rakete rollte am Freitag, dem 29. April, auf ihrem Spezialwaggon zur Rampe ELS (Ensemble de Lancement Sojus) in der sogenannten Nordzone des Startgeländes und wurde dort in die Vertikale aufgerichtet. Als sie fest in den Haltearmen verankert war, fuhr der speziell für die Verhältnisse hier nahe des Äquators entwickelte Serviceturm heran, der die Rakete komplett umschließt. In der Nacht zum Sonnabend wurden mit Hilfe eines Krans die Oberstufe Fregat und die Nutzlastspitze installiert sowie die Serviceanschlüsse hergestellt.

Mit dem derzeitigen "Trockentraining" für einen virtuellen Start haben die Prüfungen des neuen Transportsystems innerhalb der europäischen Raketenfamilie ihr Endstadium erreicht. Dabei zeichnet sich bereits jetzt ab, dass alle wesentlichen Baugruppen des Startkomplexes bestens funktionieren. Der virtuelle Ablauf umfasst alle typischen Startvorbereitungen innerhalb eines Fünf-Tage-Programms, allerdings ohne die Rakete dabei zu betanken. Der erste Tag mit dem Roll-out und der Komplettierung der Rakete wurde dabei als "J-4" bezeichnet.

Am 30. April (J-3) wurden vor allem die Kommunikations- und Telemetrieverbindungen getestet, und nach einem arbeitsfreien Tag folgte am Montag J-2 mit weiteren Überprüfungen der Systeme. Am heutigen Dienstag (J-1) erfolgt eine simulierte Betankung unter Ensatz aller dafür erforderlicher Spezialfahrzeuge. Beim realen Start werden hier Kerosin und Flüssigwasserstoff, flüssiger Stickstoff und Wasserstoffperoxid in die Tanks gefüllt.

Der eigentliche "Starttag" ist der 4. Mai (J 0) mit dem Countdown. Dabei wird anderthalb Stunden vor dem "Abheben" der Serviceturm zurückgefahren und in seine Parkposition gebracht. Eine geplante Unterbrechung des Countdowns am Nachmittag dient der Kontrolle aller bis dahin duchgeführten Abläufe sowie dem Durchspielen von Szenarien bei einer realen Startunterbrechung wegen eventueller technischer oder Wetterprobleme bei späteren realen Missionen.

Der Countdown wird am 5. Mai wieder aufgenommen und bis zum Start heruntergezählt. Anschließend beginnt eine Simulation des Fluges der Rakete auf der vogesehenen Bahn einschließlich der Stufentrennung und dem Aussetzen der Nutzlast. Schließlich wird die Rakete "enttankt", die Nutzlast abgebaut und der Träger zurück in die Montagehalle gefahren. Auch das könnte wegen diverser Probleme künftig durchaus nötig sein.

Der erste reale Start einer Sojus-Rakete mit zwei Galileo-Testsatelliten an Bord soll nach der gegenwärtigen Planung im September dieses Jahres erfolgen.

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flugrevue.de/Matthias Gründer



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