01.11.2014
FLUG REVUE

Schock für „Weltraumtouristen“SpaceShipTwo bei Testflug abgestürzt

Bei einem routinemäßigen Testflug über der kalifornischen Mojave-Wüste explodierte am 31. Oktober das Raumflugzeug SpaceShipTwo nach der Zündung des Triebwerks. Pilot Peter Siebold überlebte schwer verletzt, während Michael Alsbury als Co-Pilot bei der Katastrophe ums Leben kam.

SS2-Absturz

Weit verstreut liegen die Trümmer des Raumflugzeuges in der kalifornischen Mojave-Wüste. © FR-Dokumentation  

 

Das Raumflugzeug des privaten Unternehmens Virgin Galactic hatte nach dem letzten raketengetriebenen Testflug am 28. August wieder einen Flug mit eigenem Antrieb, allerdings mit einer veränderten Treibstoffmischung, durchführen sollen. Kurz nach der Abtrennung vom Trägerflugzeug WhiteKnightTwo allerdings explodierte das Gefährt bei der Zündung des Bordtriebwerks. Insgesamt war dies der 22. Aufstieg des Vehikels nach dem Jungfernflug am 10. Oktober 2010. Auch damals saßen bereits Siebold und Alsbury im Cockpit; beide galten als erfahrene Piloten.

Für Richard Bransons Virgin Galactic und den Hersteller Scaled Composites ist dies ein schwerer Rückschlag, hatten sie doch seit Beginn der Arbeiten stets vom „leichten Zugang zum All“ und einem Aufschwung des Privaten Weltraumtourismus geschwärmt. Für umgerechnet etwa 200.000 Euro sollten gut Betuchte bis auf 100 Kilometer Höhe gebracht werden und dort knapp vier Minuten Schwerelosigkeit an der Grenze zum Weltraum erleben können, so jedenfalls erzählte es Branson jedes Jahr immer aufs Neue. Mehr als 700 Interessenten, darunter zahlreiche Prominente aus Hollywood, haben bereits eine Anzahlung auf die Tickets geleistet.

Experten jedoch warnten von Anfang an vor der Leichtgläubigkeit. Vor allem Probleme mit dem Hybridantrieb führten zu ständigen Verschiebungen des ehrgeizigen Zeitplanes; der Antrieb hat noch nie über die volle Betriebsdauer gebrannt und erreichte bei bisherigen Tests auch noch niemals den geplanten Schub. Ungeachtet dessen tönte Branson noch Anfang 2014: „Ich wäre bitter enttäuscht, wenn ich nicht vor dem Ende dieses Jahres im Weltraum bin.“ Diese Sprüche kennen wir jedoch bereits seit dem Jahre 2007. Wegen der nicht abgeleisteten vorgeschriebenen Testflüge steht zu guter Letzt die Zulassung des Gefährts seitens der US-Luftfahrtbehörde FAA aus. Der von Virgin Galactic angepeilte Millionenprofit rückt immer mehr in weite Ferne.

Innerhalb von zehn Jahren sollten etwa 50.000 Touristen in schneller Folge an den Rand des Weltalls befördert werden. Der sichere Rückflug wurde einfach vorausgesetzt, Sicherheitsbedenken wischte man vom Tisch. Die Reichen und Schönen allerdings, die sich solch einen Kick aus der Portokasse leisten können, wollen aber eine Garantie: nach dem Blick ins All sicher wieder nach Hause kommen. Das indessen ist nach der jüngsten Katastrophe auf keinen Fall gewährleistet. Der hypermoderne „Spaceport America“ in New Mexico jedenfalls wird noch lange verwaist bleiben.

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flugrevue.de/Matthias Gründer



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