18.03.2013
FLUG REVUE

Training für Kometenlander Philae

Das Original des Kometenlanders Philae fliegt seit dem 2. März 2004 an Bord der ESA-Sonde Rosetta durchs Weltall und wartet im Schlafmodus auf seine Ankunft am Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Die Philae-Modelle am Boden hingegen müssen zurzeit einiges aushalten: Sie werden beim DLR bis zur Belastungsgrenze getestet.

Die Wissenschaftler und Ingenieure wollen auf die erstmalige Landung auf einem Kometen im November 2014 bestens vorbereitet sein. In Bremen setzt deshalb ein originalgetreues Landermodell immer wieder auf dem Boden auf - mal in weichem Sand, mal auf hartem Boden, denn die Oberflächenbeschaffenheit des Kometen kennt noch niemand. In Köln wird gleichzeitig eine Philae-Kopie mit Kommandos angefunkt und in Betrieb gesetzt. Über den genauen Landeplatz werden die Wissenschaftler und Ingenieure erst nach der Ankunft von Rosetta mit Hilfe der ersten Kamerabilder entscheiden. Die exakte Anziehungskraft des Himmelskörpers, die Beschaffenheit des Bodens - all das kennen die Wissenschaftler nicht.

Immer wieder hat das dreibeinige Modell in Originalgröße am Roboterarm der Landing and Mobility Test Facility (LAMA) die Landung auf dem Boden überstehen müssen. Immer wieder haben sich während dieser Tests die Eisschrauben in den Füßen des Landers herausgedreht, die ihm Halt auf dem Kometen geben sollen. Bei der Landung fängt ein Dämpfer die Kräfte ab, die auf Philae wirken. Sobald der kühlschrankgroße Lander mit zehn Instrumenten an Bord aufsetzt, schießen zwei Harpunen heraus und verankern ihn auf dem Kometenboden. Statt der 100 Kilogramm Gewicht auf der Erde wird der Lander auf dem Kometen nur das Gewicht eines Blattes Papier haben. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass der Komet in Sonnennähe bereits aktiv ist und sich der charakteristische Schweif aus Eis- und Staubpartikeln bildet. Keine leichte Aufgabe für das Philae-Team, den Lander sicher auf den Himmelskörper zu bringen.

Wie soll "Philae" reagieren, wenn einzelne Subsysteme während des Abstiegs durch einen Kurzschluss ausfallen? Was sind die ersten Abläufe nach einer erfolgreichen Landung? Die Ingenieure proben die Widrigkeiten, die die Software dann autonom, ohne Unterstützung vom Boden aus lösen soll. Kurz vor der Ankunft am Ziel wird die endgültige Prozedur zu "Philae" ins All gesendet.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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