10.02.2015
FLUG REVUE

ESA-Kometensonde RosettaTschuri: „Häutung“ in der Glut des Südens

Bis zu 20 Meter seiner obersten Schicht könnte Komet Tschurjumow-Gerassimenko auf seiner bisher unbeleuchteten Südseite verlieren, wenn dort ab Mai 2015 die Sommerhitze herrscht.

CG_Erosion

Um den Verlust an Kometenmaterial abzuschätzen, nutzten die DLR-Wissenschaftler ein Oberflächenmodell des Kometen. © DLR  

 

Die Schlankheitskur, bei welcher der Komet Gas und Material seines Kerns ins All schleudert, wird von der intensiven Erwärmung bei der Annäherung an die Sonne ausgelöst. Die nördliche Hemisphäre hingegen verliert deutlich weniger. Eine Modellrechnung von Wissenschaftlern des DLR zeigt: Mit jedem seiner fast sechseinhalbjährigen Umläufe um die Sonne verliert der Komet gewaltig an Material, und dies vor allem auf der Südseite, während eines kurzen, aber sehr intensiven Sommers. Der Komet „häutet“ sich quasi ständig und zeigt frisches, unverbrauchtes Material an seiner Oberfläche, das noch nicht durch die kosmische Strahlung gealtert ist.

Tschuri umkreist die Sonne auf einer sehr elliptischen Bahn, die ihn für lange Zeit in eine große Entfernung zu unserem Zentralgestirn führt. Das und die starke Neigung seiner Rotationsachse um 53 Grad zur Bahn - die Erde ist im Vergleich dazu lediglich um 23 Grad geneigt - sorgen dafür, dass die Jahreszeiten auf den beiden Hemisphären extrem unterschiedlich ausgeprägt sind: Die nördliche Hemisphäre hat einen sehr langen, aber nicht besonders intensiven Sommer. Auf der südlichen Hemisphäre hält der Sommer jetzt erst Einzug, zwar nur für zehn Monate, aber wegen der großen Sonnennähe besonders intensiv. Rosetta und der Lander Philae haben dabei die beste Sicht auf den Kometen, der mehr und mehr zum Leben erwacht und Gas und Staub ins All stößt.

Um den Verlust an Kometenmaterial abzuschätzen, nutzten die Wissenschaftler ein Oberflächenmodell des Kometen. Sie gingen unter anderem davon aus, dass das Wassereis in den aktiven Gebieten nur von einer sehr porösen, dünnen Staubschicht bedeckt ist und etwa viermal mehr Staub als Eis ins All geschleudert wird. Das Ergebnis: Die Südseite, die zurzeit noch nicht von der Sonne angestrahlt und für die Wissenschaftler noch Neuland ist, wird in ihrem heißen Sommer bis zu 20 Meter ihrer obersten Schicht verlieren. Auf der nördlichen Hemisphäre sieht das ganz anders aus. Dort werden bei einem Orbit um die Sonne nur die Bergspitzen und Klippen bis zu zehn Meter verlieren. Die bisher besonders aktive schmale Region zwischen den beiden größeren Kometenteilen ist nach den Berechnungen während des gesamten Orbits nur schwach beleuchtet und somit insgesamt nur mäßig aktiv.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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