18.11.2015
Erschienen in: 10/ 2015 FLUG REVUE

Kometenmission Rosetta„Tschuri“ schickt Gasfontänen ins All

Der Komet Tschurjumow-Gerassimenko, kurz „Tschuri“, hat den sonnennächsten Punkt seiner Bahn durchquert und verschwindet wieder in den Tiefen des Alls.

Am 13. August 2015 hatte Tschuri den sonnennächsten Punkt seiner Bahn, das sogenannte Perihel, erreicht. Fortan bewegt er sich wieder weg in die äußeren Bereiche unseres Sonnensystems, und es wird rund sechseinhalb Jahre dauern, bevor er der Sonne wieder nahe kommt. Doch Nähe ist ein relativer Begriff. Immerhin liegt das Perihel mit einem Abstand von mehr als 185 Millionen Kilometern noch weit hinter der Erdbahn. Dennoch wurde es zu diesem Zeitpunkt auf der Kometenoberfläche heißer als auf der Erde, denn der kosmische Vagabund hat wegen seiner fast schwarzen Färbung nur eine geringe Rückstrahlung, und eine Atmosphäre besitzt er auch nicht.

Nun sollte man als Laie annehmen, dass solch ein Komet in der Nähe der Sonne eine voluminöse Koma samt beeindruckendem Schweif ausbildet, aber – weder noch. Was unterscheidet also Tschuri von anderen Kometen, die uns ansonsten am Himmel begeistern? „Wir müssen vor allem den größeren Abstand berücksichtigen“, sagt Dr. Ekkehard Kührt, als Abteilungsleiter beim DLR-Institut für Planetenforschung zuständig für Asteroiden und Kometen. „Die Aktivität eines Kometen hängt sehr stark vom Sonnenabstand ab, und dieser Klumpen aus Eis und Staub ist so weit weg, dass man ihn mit bloßem Auge von der Erde aus gar nicht sehen kann.“ Anders als beim berühmten Halleyschen Kometen (siehe Kasten unten) also dampft und gast Tschuri, der wie ein Quietscheentchen aus der Badewanne aussieht, eher im Dunkeln, und außerdem ist er mit 4 x 3,5 x 3,5 Kilometern viel kleiner als Halley, der es immerhin auf 15,3 x 7,2 x 7,2 Kilometer bringt.

Ganz untätig ist der Komet indessen nicht. Immer wieder schießen aus dem Untergrund helle Staub- und Gasfontänen, sogenannte Jets, hervor. „Wir müssen zum derzeitigen Zeitpunkt zugeben, dass wir dafür noch keine befriedigende wissenschaftliche Erklärung haben“, sagt Dr. Kührt, „nur Spekulationen über die möglichen Ursachen. Ich bin aber optimistisch, dass wir Antworten finden werden.“ Die Experten sind gerade dabei, die Messergebnisse aller wissenschaftlichen Geräte zu einem Gesamtmodell zusammenzuführen, und das kann noch Monate dauern. Da ist es von Vorteil, dass die finanziellen Mittel für die Forschungsarbeit bis 2018 reichen und Rosetta zudem sehr sparsam mit dem Treibstoff des Bordtriebwerkes umgegangen ist. Ergebnis: Die Mission konnte um weitere neun Monate verlängert werden. Wenn der Komet also schon längst wieder weit weg ist, wird die Raumsonde noch immer Daten zur Erde schicken und das Bild der eisigen „Ente“ vervollständigen.

Bis dahin ist allerdings noch etwas Zeit. Im August erreichten die Oberflächentemperaturen des kosmischen Vagabunden, zumindest im Süden, rund 80 Grad Celsius! Zum Vergleich: Der Hitzerekord auf der Erde wurde im amerikanischen Death Valley mit 56,7 Grad gemessen.

Diese Erwärmung des dunklen Körpers, dessen Oberfläche vor allem mit Staub und Schutt bedeckt ist, sorgt für einen kräftigen Masseverlust, der auf bis zu 1000 Kilogamm pro Sekunde geschätzt wird. Das klingt sehr viel, ist es aber eigentlich gar nicht, wenn man sich einmal die Größe des Kometen vor Augen führt.

Die Verluste entstehen infolge des Verdampfens des Eises, und die dabei entstehenden Jets reißen eine Menge Staub mit sich. Diese Ausbrüche können so heftig sein, dass sie sogar den auf den Kometen auftreffenden Sonnenwind für einige Minuten zurückdrängen. Analysen solcher „Geysire“ zeigten große Anteile an Wasserdampf, Kohlendioxid, Methan und Schwefelwasserstoff, Kurz gesagt: Der Komet stinkt gewaltig!


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