09.07.2014
FLUG REVUE

ESA-Planetensonde hat keinen Sprit mehrVenus Express – baldiger Absturz nach Atmosphärenbremsung

Das Ende der achtjährigen Erfolgsstory bei der Erkundung unseres Nachbarplaneten Venus naht: Europas Raumsonde Venus Express wird im Laufe des Jahres in die höllische Atmosphäre der Venus stürzen und verglühen.

Für die letzte Phase haben die Flugingenieure des Europäischen Kontrollzentrums ein anspruchsvolles Zusatzprogramm entwickelt und so wird die Venus zum Testareal für zukünftige Landungen auf dem Mars. Auch die erfolgreichste Raumsonde gibt irgendwann ihren Geist auf, spätestens dann, wenn ihre Tanks leer sind. Dieses Schicksal droht in absehbarer Zeit der ESA-Mission Venus Express. Die im November 2005 gestartete Sonde befindet sich seit April 2006 in der Umlaufbahn unseres inneren Nachbarplaneten. Spätestens Ende des Jahres wird sie jedoch unwiderruflich in der dichten Atmosphäre der Venus verglühen.

Die Forscher sind mit dem bisherigen Missionsverlauf höchst zufrieden. Die für eine anderthalbjährige Einsatzzeit ausgelegte Planetensonde arbeitet nun schon im neunten Jahr. Auch sechs der an Bord befindlichen sieben Forschungsinstrumente funktionieren noch immer tadellos. Hierzu gehören das Spektrometer, ein Plasma-Analysator, eine Kamera und ein Magnetometer. Deshalb verlängerte die ESA mehrfach die Missionszeit, letztmals bis zum 31. Dezember 2014.

Für die Endphase haben sich die Verantwortlichen im Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt nun ein Bonusprogramm der besonderen Art einfallen lassen. Es heißt Aerobraking, zu deutsch Atmosphärenbremsung. Darunter versteht man die gezielte Veränderung der Umlaufbahn eines Raumflugkörpers durch Reibung an den Gasen der planetaren Atmosphäre. Das universelle Verfahren kann an allen Körpern im Weltraum angewandt werden, die eine Atmosphäre besitzen. Die ESA-Spezialisten nutzen die Venusatmosphäre, um das Aerobrakingverfahren bei unterschiedlichen Bedingungen zu testen. Diese Erfahrungen werden schließlich der zweiteiligen ExoMars-Mission zugute kommen, deren Starts für 2016 und 2018 vorgesehen sind. Da eine Atmosphärenbremsung die für die notwendigen Bremsmanöver mitzuführenden Treibstoffvorräte reduziert, könnte die Nutzlastkapazität der Marssonden allein durch ein zielgenaues Aerobraking und ein modifiziertes Design gesteigert werden.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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