06.07.2015
FLUG REVUE

PlanetenforschungVenus Express entdeckt heiße Lava

Die Daten der europäischen Raumsonde Venus Express weisen auf aktiven Vulkanismus auf unserem Nachbarplaneten hin.

venusvulkan

Venus Express hat starke Indizien für aktive Venus-Vulkane gefunden (hier eine künstlerische Darstellung). © ESA  

 

Durch ihren Schleier zu blicken ist nicht leicht. Eine blickdichte, mit Wolken verhangenen Gashülle verdeckt die freie Sicht auf die Oberfläche der Venus. Trotzdem konnten die Radar-Bilder früherer Raumsonden eine Welt von herber Schönheit enthüllen: Vulkane und alte Lavaströme prägen weite Teile des Planeten.

Doch Venus ist nicht nur unser nächster Nachbarplanet, sie gilt auch als Schwester der Erde: Beide Planeten sind fast gleich groß und wahrscheinlich ähnlich aufgebaut. Forscher gehen deshalb davon aus, dass sie im Innern eine Wärmequelle besitzt, etwa durch den Zerfall radioaktiver Elemente. Diese Wärme könnte beispielsweise durch Vulkanausbrüche entweichen. Einige Modelle deuten sogar daraufhin, dass vor rund 500 Millionen Jahren eine gewaltige Lavaflut die Venusoberfläche vollständig umgestaltete. Die Frage, ob die Venus auch heute noch vulkanisch aktiv ist, gehört deshalb zu den heißesten Fragen der Planetenforschung.

Antworten geben Messungen der Venus-Express-Sonde der ESA, die zwischen 2006 und 2014 die Venus umkreiste. Den bisher besten Hinweis auf aktiven Vulkanismus hat nun ein internationales Forscherteam vorgelegt. Die Wissenschaftler analysierten Daten der VMC-Bordkamera der Sonde. Damit identifizierten sie vier Regionen auf der Planetenoberfläche, deren Temperaturen innerhalb weniger Tage dramatisch angestiegen waren. Die Experten werten dies als den bislang stichhaltigsten Beleg für aktiven Venus-Vulkanismus. Bereits 2010 hatten Planetenforscher in der Infrarotstrahlung von drei vulkanischen Regionen Auffälligkeiten entdeckt. Die Strahlung unterschied sich von derjenigen aus anderen Gebieten. Dort könnten sich erstarrte, aber vergleichsweise junge Lavaströme befinden, die noch nicht so stark verwittert sind wie älteres Gestein, so die damalige Interpretation. Sie müssten dann weniger als 2,5 Millionen Jahre alt sein.

Dann kam, im Jahr 2012, sogar ein erster Hinweis auf noch heute aktive Vulkane, wieder durch Venus Express: Bei den Langzeitmessungen hatte Forscher die Konzentration von Schwefeldioxid in der Venus-Luft gemessen, und zwar 70 Kilometer hoch über der Oberfläche. Dort zeigten sich beträchtliche Variationen. Der Gehalt des Gases wuchs zunächst an, um danach kontinuierlich auf ein Fünftel des gemessenen Spitzenwertes abzufallen. In tieferen Atmosphäreschichten ist SO2 ein wichtiger und konstanter Bestandteil der Venus-Luft. Von dort steigt offenbar heißes Gas auf und dringt in die höheren Atmosphärenschichten. Sollte es auf der Venus heftige Vulkanausbrüche geben, so könnte eine kilometerhohe Säule aus vulkanischem Schwefeldioxid bis in die höhere Atmosphäre katapultiert worden sein, schlossen die Forscher. Über den Venus-Wolken wäre das Gas dann schnell wieder abgebaut worden, denn seine Moleküle würden von den UV-Strahlen der Sonne gespalten.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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