13.08.2010
FLUG REVUE

Vor 50 Jahren: Ein Ballon in der Umlaufbahn

Am 12. August 1960 wurde in den USA an Bord einer neu entwickelten Trägerrakete vom Typ Delta der erste Ballonsatellit namens Echo 1A gestartet, mit dem man Funkwellen über große Entfernungen übertragen konnte.

Vor 50 Jahren: Ein Ballon in der Umlaufbahn

Prototyp des Echo-Satelliten bei Tests am 1. Mai 1960 in Langley. © NASA  

 

Der Erstflug der Delta mit Echo 1 war am 13. Mai jenes Jahres ein Misserfolg, doch dann klappte es endlich. Der "Satellit" war im eigentlichen Sinne nur ein Ballon aus hauchdünnem Mylar, der auf seiner endgültigen Bahnhöhe von rund 1500 Kilometern bis zu einem Durchmesser von 30 Metern aufgeblasen wurde. Das Kunststoffmaterial war mit dünnem Aluminium überzogen, so dass der Satellit nicht nur Funkwellen, sondern auch das Sonnenlicht stark reflektierte. Obwohl die Kugel bereits ein Jahr später nur noch 18 Meter durchmaß, konnte sie rund acht Jahre lang von der Erdoberfläche aus als Stern 1. Größe beobachtet werden.

Die erste Fernmeldeverbindung mittels passiver Funkwellenreflektion am Ballon gelang kurz nach dem Start zwischen zwei Erdefunkstellen in New Jersey (Ostküste) und Goldstone in Kalifornien. Auch ein Telefongespräch, das Präsident Eisenhower von Washington aus mit einem Partner an der Westküste führte, wurde über Echo 1A übertragen.

Daneben wurde der Ballon - ebenso wie mehrere Nachfolgemodelle - auch für geodätische Messungen benutzt. Mit Hilfe lichtstarker Kameras war es möglich, die Satellitenbahn im Koordinatensystem zu ermitteln und daraus beispielsweise Bahnstörungen abzuleiten. Diese wiederum gaben Auskunft über das Schwerefeld der Erde. Nach mehreren hunderttausend Aufnahmen konnten Wissenschaftler so z.B. die Erdachse rund zehnmal genauer bestimmen, als das bisher möglich gewesen war.

Heute vermutet man, dass Echo 1A wegen des Einschlags zahlreicher Mikrometeoriten nur wenige Stunden lang seine Gasfüllung, nichtsdestotrotz aber noch lange seine Kugelgestalt behielt. Etwa 1967 jedoch konnte man schon mit einfachen Feldstechern erkennen, dass der nunmehr ziemlich "verbeulte" Satellit stark taumelte. 1968 dann, als er seine scheinbare Helligkeit um rund eine Größenklasse vermindert hatte, verglühte er schließlich in den dichteren Schichten der Erdatmosphäre.

Für die Funkwellenübertragung folgten ihm noch Echo 2 und für die Satellitengeodäsie die Ballonsatelliten Explorer 9, 19, 24 und 39 sowie schließlich noch der große Ballon PAGEOS (Passive Geodetical Satellite). Danach machte die Weiterentwicklung der Technik Ballonsatelliten überflüssig und man ging zu aktiven Verfahren über.




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