18.01.2011
FLUG REVUE

Vorstandsvorsitzender der OHB-System AG wurde freigestellt

Der Vorstandsvorsitzende der OHB-System AG, Berry Smutny, ist mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt worden. Nachdem die Hauptversammlung der Gesellschaft Herrn Smutny das Vertrauen entzogen hatte, beschloss der Aufsichtsrat einstimmig, seine Bestellung zum Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaft zu widerrufen.

Die Entlassung erfolgte, nachdem in den vergangenen Wochen wiederholt Protokolle eines Gesprächs zwischen Herrn Smutny und Diplomaten der US-Botschaft in Berlin von der norwegischen Tageszeitung „Aftenposten“ veröffentlicht und kommentiert worden waren. Der Aufsichtsrat missbilligt die Gespräche und die Herrn Smutny zugeschriebenen Zitate.

Hauptversammlung und Aufsichtsrat sahen keine Alternative zu diesen Schritten, um weiteren Schaden am Unternehmen, bei Kunden, der Politik und der allgemeinen Öffentlichkeit wirksam abwenden zu können. Bis auf weiteres wird der Vorstandsvorsitzende der Muttergesellschaft OHB Technology AG, Marco R. Fuchs, den Vorsitz des Vorstands der OHB-System AG in Personalunion übernehmen und sich die Aufgaben von Herrn Smutny mit den Vorstandskollegen Dr. Fritz Merkle und Frank Negretti teilen.

Der Aufsichtsrat dankte Herrn Smutny im Namen der Gesellschaft für die von ihm in den letzten 18 Monaten geleistete Arbeit und betonte den besonderen Stellenwert des vergangenen Jahres als erfolgreichstes Geschäftsjahr in der Geschichte des Unternehmens.

"Aftenposten" hatte am vergangenen Freitag aus WikiLeaks-Dokumenten zitiert, welche als Depeschen der US-Botschaft in Berlin bezeichnet wurden. Nachdem Smutny an Eides statt erklärt hatte, die ihm unterstellten Äußerungen nicht gemacht zu haben, sprach ihm der Aufsichtsrat zunächst noch das Vertrauen aus und betonte:

"Die OHB-Gruppe distanziert sich nachhaltig von allen Herrn Smutny zugeordneten Aussagen in den WikiLeaks-Papieren und bekennt sich nachhaltig zu 'Galileo' als dem ersten großen Raumfahrt-Infrastrukturprojekt der Europäischen Union. Die OHB-Gruppe wird ihre ganze Kraft und ihr ganzes Können für den Erfolg dieses Vorhabens einsetzen."

Nun, drei Tage später, muss Smutny doch gehen. Dafür könnte es zwei Gründe geben: Entweder hat er einen Meineid geleistet, was ein ausreichender Grund wäre, ihn zu feuern, oder er hat die Wahrheit gesagt. Das aber bedeutete im Umkehrschluss, dass die US-Diplomaten Lügner wären, womit der Fall ganz andere Dimensionen annähme. Weil die Bundesregierung das nicht unkommentiert hinnehmen könnte, wäre Smutny ein Bauernopfer. Dem Ansehen der OHB-System AG indessen wird die Affäre nicht schaden.




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