15.12.2010
FLUG REVUE

Voyager 1 ohne "Rückenwind"

Kaum zu glauben, aber die 33 Jahre alte NASA Raumsonde Voyager 1 ist schon rund 17,4 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt und schickt immer noch Nachrichten nach Hause! Jetzt meldete sie erstmals das Erreichen einer Zone außerhalb unseres Sonnensystems, in der es keinen messbaren Sonnenwind mehr gibt.

Am 5. September 1977 war die Raumsonde gestartet worden, kurz nach ihrer "Schwester" Voyager 2 (20. August 1977). Beide kreuzten auf unterschiedlichen Bahnen durch das Sonnensystem und machten erstaunliche Entdeckungen, die für lange Zeit unser Bild der äußeren Planeten prägten, zum Teil sogar heute noch prägen, weil es noch keine genaueren Erkenntnisse gibt.

Inzwischen haben beide Flugkörper die gedachte Grenze unseres Solarsystems überflogen und befinden sich sozusagen im "Niemandsland", zum interstellaren Raum. Dank der Radioisotop-Generatoren als nukleare Energiequellen an Bord arbeiten sogar nach solch einer langen Betriebsdauer noch einige der Bordgeräte, und den riesigen Antennen des Deep Space Network gelingt es hin und wieder, brauchbare Signale aus dem Hintergrundrauschen der kosmischen Radiostrahlung zu filtern. Im Mai dieses Jahres war es sogar gelungen, den Bordcomputer von Voyager 2 neu zu starten, nachdem er vorher unnormale Werte angegeben hatte.

Nunmehr meldete also Voyager 1, sie habe mit einer Fluggeschwindigkeit von 17 km/s die äußere Schicht der lang gestreckten "Blase" erreicht, die als Heliosphäre aus geladenen Teilchen unser gesamtes Sonnensystem umgibt. Schon vor längerer Zeit hatten die Messinstrumente beider Sonden angezeigt, dass sich noch innerhalb der Heliosphäre eine fast kugelförmige Blase befindet, die durch eine Schockwelle begrenzt ist. Bis dahin haben die solaren Teilchen Lichtgeschwindigkeit, werden aber dann schlagartig langsamer. Seit August 2007 nahm die Geschwindigkeit um 20 km/s pro Jahr ab und errechte im Juni dieses Jahres Null.

Dennoch wird es noch ungefähr vier Jahre dauern, bis Voyager 1 tatsächlich den interstellaren Raum erreicht, denn in dem gegenwärtig durchflogenen Gebiet gibt es noch zu viele "heiße Partikel", die einstmals von der Sonne ausgestrahlt worden sind. Sie bewegen sich zwar kaum noch, bilden aber eine als Heliosheath bezeichnete Schicht, die unser Sonnensystem auf seinem Weg durch die Milchstraße praktisch wie einen Schild vor sich her schiebt - "Windstille" in den Tiefen des Alls.

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MG


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