09.09.2013
FLUG REVUE

RadarbeobachtungWeitwinkel aus dem Weltall

Eigentlich könnte TerraSAR-X schon seit mehr als einem halben Jahr außer Dienst sein - solange hat er bereits seine vorgesehene Lebensdauer hinter sich gelassen. Doch die Ingenieure des DLR haben dem deutschen Radarsatelliten, der am 15. Juni 2007 ins All gestartet worden war, sogar noch einen neuen Modus beigebracht: Nun kann er Bildstreifen mit einer Breite von rund 200 Kilometern aufnehmen.

Die Aufnahme der Deutschen Bucht beispielsweise zeigt die friesischen Inseln von Borkum bis Wangerooge und unter anderem die Städte Wilhelmshaven und Bremen. Der neue Weitwinkelmodus ist vor allem für Meeresforscher spannend, die damit Tidenhub, Veränderungen im Wattenmeer, Schiffsbewegungen, Wellenmuster, Eisbewegungen oder auch das Windaufkommen untersuchen können. Mehr als 120.000 Bilder hat der Radarsatellit TerraSAR-X seit seinem Start bereits geliefert. Bisher waren die Bildstreifen aber auf eine Breite von 100 Kilometern beschränkt.

Das freifallende Watt und seine Priele zwischen den einzelnen Inseln und der Küste, der hohe Wasserstand in der Elbmündung und bei Sylt - für die Ozeanographin bietet die Radaraufnahme aus über 500 Kilometern Höhe zahlreiche Informationen. Weiter nördlich schaut der Satellit auf Sylt und mehrere Windparks mit Windkrafträdern, die sich als geometrisch angeordnete helle Punkte auf der Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigen. Auch einzelne Schiffe sind auf den Radaraufnahmen erkennbar, so dass mit einer Auflösung von 40 Metern im sogenannten Wide-ScanSAR-Mode auch die Schiffsrouten verfolgt werden können.

DLR-Wissenschaftlerin Dana Floricioiu nutzt die Aufnahmen, um beispielsweise das Kalben von Eisbergen oder die Bewegung der Gletscher zu untersuchen. Mit Aufnahmen in Zeitabfolgen beobachtet die Wissenschaftlerin auch die Risse, die im Eis entstehen, bevor ein Eisberg sich von der Eismasse löst. In der Pine Island Bay in der Antarktis hat Floricioiu den Eisberg B22A im Blick, der mit seinen 81,5 mal 44,4 Kilometern ein Überbleibsel eines noch größeren Eisbergs aus dem Jahr 2002 ist. Mit dem neuen Modus haben die Wissenschaftler auf einen Schlag einen sehr guten Überblick über ein großes Gebiet. Für sie ist diese neue Aufnahmetechnik, die ursprünglich für die Mission gar nicht vorgesehen war, ein Beleg dafür, dass der Satellit noch nicht so bald in Rente gehen wird. Der technische Zustand von TerraSAR-X ist sehr gut, und die Treibstoffreserven erlauben noch einen Betrieb bis mindestens 2015.

Mehr zum Thema:
flugrevue.de/Matthias Gründer



  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 12/2016

FLUG REVUE
12/2016
07.11.2016

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Neue Junkers F 13 fliegt
- Dreiteilung airberlin
- Flughafen Lyon
- Erprobung Pilatus PC-24
- Wonsan Air Festival
- Brennstoffzellen im Alltagstest
- Extra Raumfahrt

aerokurier iPad-App