05.10.2015
FLUG REVUE

Kollision im AllWie Rosettas Komet seine Form bekam

Zwei Kometen prallten mit niedriger Geschwindigkeit im frühen Sonnensystem zusammen und gaben dadurch dem Kometen 67P Tschurjumow-Gerassimenko seine unverwechselbare „Quietsche-Entchen“-Form, sagen Rosetta-Wissenschaftler.

Comets two lobes

Die Schichtungen weisen auf zwei Körper hin, die einst zum Kometen verschmolzen. © ESA  

 

Der Ursprung dieser eigentümlichen Form des Kometen war eine der großen Fragen, seit Rosetta sein unerwartetes Aussehen im Juli 2014 enthüllte. Hauptsächlich zwei Ideen kamen auf: Fügten sich zwei Kometen zu einem zusammen oder formte lokal begrenzte Erosion eines einzigen Objektes den „Hals“? Jetzt haben die Wissenschaftler eine eindeutige Antwort auf das Rätsel. Mit Hilfe hoch aufgelöster Bilder, die zwischen dem 6. August 2014 und dem 17. März 2015 aufgenommen worden waren, um die Material-Schichten auf dem gesamten Kometenkern zu sehen, konnte man zeigen, dass die Form einer sachten Kollision zweier eigenständiger Kometen entstammt.

„Die Aufnahmen zeigen deutlich, dass die äußere Hülle beider Kometenteile in Schichten aufgebaut ist. Wir glauben, dass sich diese Schichtstruktur mehrere hundert Meter in die Tiefe erstreckt“, erklärt Matteo Massironi, Erstautor von der Universität Padua, Italien, und Partner-Wissenschaftler des OSIRIS-Teams. „Sie können sich die Schichten ein wenig wie bei einer Zwiebel vorstellen, außer dass wir in diesem Fall von zwei getrennten, unterschiedlich großen  Zwiebeln ausgehen, die unabhängig voneinander gewachsen sind, bevor sie sich zusammengeschlossen haben.“

Um zu diesem Ergebnis zu kommen, benutzten Massironi und seine Kollegen die Bilder zunächst, um mehr als hundert Terrassen auf der Kometenoberfläche sowie parallele Schichtstrukturen, die man auf freiliegenden Felswänden und in Vertiefungen sehen konnte, zu identifizieren. Danach erstellten sie ein 3D Modell, um die Richtungen zu bestimmen, in die sie verlaufen und um zu visualisieren, wie sie sich unter die Oberfläche erstrecken.

Das Team stellte außerdem fest, dass Erosion, auch wenn sie nicht die Ursache für die zweiteilige Form des Kometen ist, dennoch eine wichtige Rolle für die heutige Entwicklung des Kometen spielt. Lokale Unterschiede, die man in der Oberflächenstruktur entdeckt hat, sind wahrscheinlich das Resultat verschiedener Grade der Sublimation – wenn sich Eis direkt in Gas umwandelt –gefrorener Gase, eingebettet in einzelne Schichten, die nicht unbedingt gleichmäßig über den Kometen verteilt sind.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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