04.12.2009
FLUG REVUE

ESA-Röntgensatellit XMM-Newton mit Aufsehen erregenden ForschungsergebnissenXMM-Newton mit Aufsehen erregenden Forschungsergebnissen

Eine der erfolgreichsten europäischen Weltraummissionen feiert Geburtstag: Das von Astrium entwickelte und gebaute Röntgenobservatorium XMM-Newton wird zehn Jahre alt. Am 10. Dezember 1999 brachte eine Trägerrakete Ariane 5 den Forschungssatelliten ins All.

XMM

XMM ist der Star unter den europäischen Weltraumteleskopen. © ESA  

 

Das fast elf Meter hohe und knapp vier Tonnen schwere Superteleskop XMM-Newton ist der größte Forschungssatellit, der bisher im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA gebaut wurde. Es gehört heute zu den erfolgreichsten Weltraumobservatorien überhaupt. Seine vertraglich zugesicherte Leistung über mindestens zwei Jahre hat es längst geschafft, und seine geplante Einsatzzeit von zehn Jahren hat es nun ebenfalls erreicht. Doch wegen des überwältigenden wissenschaftlichen Erfolgs und des exzellenten Zustands des Teleskops hat die ESA die Mission zunächst bis 2012 verlängert; ein Betrieb bis 2018 ist aus technischer Sicht möglich.

Röntgenstrahlung ist genau wie Licht eine Form von elektromagnetischer Strahlung, jedoch hundert- bis einige tausendmal energiereicher. Sie wird von Körpern oder Gasen abgestrahlt, die zwischen etwa einer Million und hundert Millionen Grad heiß sind. Mit XMM-Newton beobachten Astronomen also den heißen Teil des Universums. Mit den durch XMM-Newton gewonnenen Röntgendaten werden klassische Fragen der Astronomie und Kosmologie neu bewertet, die Materie in Extremzuständen erfasst und das Universum in Raum-Zeit-Strukturen untersucht. So gelang einem Astronomen-Team mit XMM-Newton-Daten erstmals der Nachweis, dass die geheimnisvollen Schwarzen Löcher nicht nur Energie und Materie verschlingen, sondern auch Energie abgeben können. Manche der Beobachtungen mit dem Röntgenteleskop werfen neue Fragen auf. Wissenschaftler entdeckten beispielsweise einen Quasar, dessen Strahlung aus der Frühphase des Weltalls eine rätselhafte Botschaft enthält: Ist das Universum möglicherweise älter als 15 Milliarden Jahre? Nach den gängigen Theorien dürfte ein Quasar aus der Frühphase nur wenig Eisen enthalten. Die Spektralanalyse ergab aber, dass in ihm dreimal mehr Eisen als in unserem mindestens viermal älteren Sonnensystem vorhanden ist. Diese ungewöhnlich große Menge löste einen Disput unter den Wissenschaftlern aus: Entweder gibt es eine bisher unbekannte Art der Eisenproduktion, oder das Universum war zu dem Zeitpunkt, als der Quasar sein Licht aussandte, wesentlich älter als bisher angenommen.

Die Stärken des Wissenschafts-Stars XMM-Newton liegen in der Sichtbarmachung der auf der Erde nicht empfangbaren und für das menschliche Auge unsichtbaren Röntgenstrahlung. Der bisherige wissenschaftliche Erfolg lässt sich auch an einigen Zahlen demonstrieren: Im Februar 2009 wurde die zweitausendste wissenschaftliche Arbeit mit Daten von XMM-Newton veröffentlicht. Jedes Jahr kommen rund 300 neue hinzu. Zwischen 1500 und 2000 Wissenschaftler, also etwa jeder fünfte professionelle Astronom, arbeiten weltweit mit XMM-Daten. Das Interesse an Beobachtungen mit dem europäischen Weltraumteleskop ist ungebrochen. So gehen jedes Jahr Anträge für rund siebenmal mehr Beobachtungszeit ein, als zur Verfügung steht. Mit dieser Überbuchungsrate befindet sich XMM-Newton auf demselben Niveau wie das Weltraumteleskop Hubble.

 




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