19.11.2015
FLUG REVUE

Space Tech Expo in BremenRaumfahrtbranche zeigt sich offen für neue Akteure

Rund 200 Aussteller aus Industrie und Forschung, mehr als 2000 Besucher, über 80 Redner: bei der ersten Space Tech Expo trifft sich die Raumfahrtbranche in Bremen und diskutiert über mögliche Reaktionen auf veränderte Märkte.

Space Tech Expo 2015 in Bremen

Bei der Space Tech Expo in Bremen wird auch über Wiederverwendbarkeit von Trägerraketen diskutiert. Foto und Copyright: Ebner  

 

New Space Economy, zunehmender Kostendruck und der Ruf nach wiederverwendbaren Systemen und „grünen“ Antrieben - die Rahmenbedingungen der Raumfahrtindustrie haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Etablierte und neue Unternehmen, Forscher und Vertreter von NASA, ESA und DLR suchen nach Antworten und zeigen bis einschließlich Donnerstag auf der Space Tech Expo in Bremen Perspektiven.

„Neue, smarte Technologien sind gefragt, die Missionen günstiger machen und auch private Investoren anziehen“, sagt Fritz Merkle, CMO des Bremer Satellitenbauers OHB. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ergäben sich neue Möglichkeiten im Kleinsatellitenmarkt, bei Dienstleistungen beispielsweise im Zusammenhang mit dem Satellitennavigationssystem Galileo oder auch bei Services für die bestehende Industrie, so Guy Perez, technischer Leiter bei OHB. „Versuchen Sie die Etablierten mit durchschlagenden Innovationen herauszufordern anstatt direkt mit ihnen zu konkurrieren“, lautet sein Rat an kleine und mittlere Unternehmen. 

Der Kleinsatellitenhersteller Clyde Space aus Schottland scheint diesen Rat befolgt zu haben. 2014 wurde der erste schottische Satellit UKube-1 in den Orbit gebracht, weitere sollen folgen. Clyde Space fertigt momentan nach eigenen Angaben vier Satelliten pro Monat. „Was uns antreibt? Data driven economy“, sagt der Firmengründer und CEO Craig Clark.

Sind wiederverwendbare Systeme finanzierbar?

Was neue und traditionelle Raumfahrtunternehmen gleichermaßen beschäftigt ist das Thema Wiederverwendbarkeit. Ob wiederverwendbare Systeme tatsächlich Startkosten senken, darüber gehen die Meinungen auseinander. Nicht nur SpaceX versucht sich mit der Falcon daran, auch Sierra Nevada setzt mit dem Konzept des Dream Chasers darauf, ebenso Xcor mit seinen Plänen für ein bemanntes suborbitales Raumschiff LYNX. „Gesamteinsparungen bei wiederverwendbaren Systemen sind aber noch nicht belegt“, sagt Stefano Bianchi, Head of Launchers Development Department bei der ESA. 

Die künftigen europäischen Trägerraketen Ariane 6 und Vega C sind für einmalige Starts geplant. Denkbar ist ab 2025 aber eine teilweise Wiederverwendung. „Unser Fokus liegt auf der Wiederverwendbarkeit der ersten Stufe“, sagt Jérôme Vila, Leiter des Prospective, Innovation and Future Projects Department bei der französischen Raumfahrtbehörde CNES. So könnte die erste Stufe bei Starts mit leichten Nutzlasten später geborgen, aufbereitet und ein weiteres Mal bei „schweren“ Missionen eingesetzt werden. Ähnlich sieht es Leslie Kovacs von ULA, der Perspektiven für wiederverwendbare Raketentriebwerke und Oberstufen zeigt.

Die Space Tech Expo findet zum ersten Mal in Bremen statt, gleichzeitig mit der Aerospace Electrical Systems Expo. Parallel dazu diskutierten Experten zwei Tage lang beim Electric and Hybrid Aerospace Technology Symposium über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen bei Elektro- und Hybridflugzeugen. Die nächste Space Tech Expo in Bremen ist vom 24. bis 26. Oktober 2017 geplant.

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Ulrike Ebner



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