09.07.2015
FLUG REVUE

Weniger Unglücke aber teurere Schäden100 Jahre Allianz-Luftfahrtversicherung

Seit 100 Jahren versichert die Allianz Luftfahrtversicherung Luftfahrzeuge. Während das Fliegen generell immer sicherer wird, schaffen neue Technologien im Flugzeugbau und die Möglichkeit von Cyberattacken potenzielle, neue Risiken.

Junkers G 38 Lufthansa Halle Leipzig 1933

Bereits seit 100 Jahren versichert die Allianz AG auch Fluggerät. Hier wird eine Junkers G 38 Anfang der dreißiger Jahre in Halle/Leipzig zum Start vorbereitet. Foto und Copyright: Lufthansa  

 

Mit der Versicherung eines Luftfschiffs und der Einführung einer "Fliegerschädenversicherung" durch die Allianz im Jahr 1915 begann die 100-jährige Beziehung zwischen der Allianz und der Luftfahrtindustrie. Über ihre Industrieversicherungstochter Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) zählt der deutsche Versicherungskonzern, nach Angaben des Unternehmens, heute zu den drei weltweit größten Luftfahrtversicherern. AGCS-Versicherungen gibt es bereits für kleine Modellflugzeuge oder Lenkdrachen, für Hobbypiloten, unbemannte Flugzeuge (UAVs/Drohnen), Business Jets und Heißluftballons und für Unternehmen bis zu den weltweit größten Airlines, Flughäfen und Herstellern im Bereich Luft- und Raumfahrt. Die Luftfahrtexperten der AGCS sind weltweit in den Sektoren Aerospace, Airlines und General Aviation tätig.

Im Jahr 1915 startete die Allianz das Luftfahrtversicherungsgeschäft in Deutschland mit der Unterstützung der ersten Luftfahrtpioniere. 1928 übernahm sie die Risiken der Junkers W-33  „Bremen“ beim ersten Transatlantikflug in Ost-West-Richtung, die mit drei Piloten an Bord nach 36 Stunden sicher landete. Neben solchen geschichtsträchtigen Momenten unterstützt die Allianz die Branche auch in tragischen Zeiten, zum Beispiel nach dem Absturz des Luftschiffs „Hindenburg“ im Jahr 1937, einem der ersten schweren Luftfahrtunglücke der Welt.

Ein Sprung in das aktuelle Jahrzehnt verdeutlicht, in welchem Ausmaß und in welcher Komplexität das Luftfahrtversicherungsgeschäft der Allianz gewachsen ist: Allein im Jahr 2014 versicherte das Space-Underwriting-Team der AGCS in Paris 21 Weltraumtransporte mit acht verschiedenen Raumfahrzeugen aus aller Welt.

Flugzeugunglücke sorgen immer wieder für Schlagzeilen, doch die Sicherheit hat sich im Jet-Zeitalter deutlich verbessert: So kamen 1959 auf eine Million Abflüge in den USA 40 tödliche Unfälle. Heute liegt diese Kennziffer bei 0,1, so die 2014 veröffentlichte Global Aviation Safety Study der AGCS. Dabei wuchs der Luftverkehr überproportional: 1960 waren es gerade erst 106 Millionen Passagiere, 2014 beförderten die Airlines weltweit insgesamt 3,3 Millarden Fluggäste.

„Die Verbesserung der Sicherheit in der Luftfahrt ist vor allem Fortschritten in der Technologie, Ausbildung und beim Risikomanagement zu verdanken“, sagte Josef Schweighart, Head of Aviation Underwriting Germany & Central Europe, AGCS. Die Zahl der Versicherungsschäden in der Luftfahrt gehe insgesamt zurück. Zugleich werde das Ausmaß der einzelnen Schadenereignisse aber größer, und auch die Kosten für alltägliche, kleinere Schadenereignisse stiegen. „Höhere versicherte Werte, aufwändigere Reparaturen, steigende Haftungsansprüche sowie eine strengere Regulierung lassen Versicherungsschäden in der Luftfahrt nicht nur immer komplexer in der Abwicklung, sondern auch immer teurer werden“, sagt Henning Haagen, Global Head of Aviation, AGCS.

Neuartige Technologien und Materialien im Flugzeugbau helfen die Flugsicherheit zu verbessern, führen aber auch zu neuen Schwachstellen und einer potenziell teureren Schadenregulierung. Die heutigen Flugzeuge sind deutlich komplexer gebaut als ihre Vorgänger. Ein typisches Verkehrsflugzeug besteht aus 600.000 Teilen. „Die nächste große Herausforderung für die Luftfahrtindustrie besteht darin, eine Alternative zum reinen Verbrennungsmotor zu finden, während das Fliegen weiterhin erschwinglich und sicher bleiben muss“, sagt Schweighart.

Neben der Bewältigung des Wachstums zählt auch die Bedrohung durch Cyberrisiken zum Top-Thema der Luftfahrtindustrie in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Fast alle betrieblichen Abläufe in dieser Branche sind von Computersystemen und Daten abhängig und damit potenziell anfällig für Cyberattacken, Erpressungen, Datenschutzverletzungen oder Netzwerkausfälle.

Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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