13.11.2014
FLUG REVUE

Quartalsergebnis mit gestiegenem Verlustairberlin kündigt neue Sparrunde an

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft airberlin will angesichts sinkender Einnahmen mit einem neuen Sparprogramm ihr Ergebnis bis 2016 um weitere 400 Millionen Euro verbessern, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen.

airberlin A320

Die A320-Familie von Airbus soll das alleinige Standardrumpfmuster von airberlin werden. Alle Boeing 737 werden abgegeben. Foto und Copyright: airberlin  

 

Bei der Vorlage der Quartalszahlen für das dritte Quartal teilte airberlin mit, der Umsatz sei um 2,6 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro gesunken. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sei auf 74,9 Mio. Euro zurückgegangen. Unter Berücksichtigung der bereits anlaufenden Restrukturierungskosten von 15 Millionen Euro belaufe sich das bereinigte EBIT auf 90 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte airberlin hierfür noch 115,6 Millionen Euro ausgewiesen. Der Nettogewinn im dritten Quartal 2014 liege bei 49,9 Millionen Euro. airberlin verfüge zum Quartalsende über knapp 800 Millionen Euro Liquiditätsressourcen.

Die Erträge (Yield) seien um 4,4 Prozent auf 119,42 Euro (Vorjahr 124,93 Euro) zurückgegangen. Das Flugangebot wurde bei der Anzahl der Flüge und bei den angebotenen Sitzplatzkilometern (ASK) um jeweils 0,9 Prozent erhöht. Die Auslastung lag mit 87,2 Prozent fast unverändert auf dem Wert des Vorjahresquartals mit 87,3 Prozent. 

Die bereits eingeleiteten Kostensenkungsinitiativen zeigten auch im dritten Quartal positive Effekte, meldete die Airline. Im Jahresvergleich sei es gelungen, die Kosten pro angebotenem Sitzplatzkilometer (CASK) exklusive Treibstoff um 0,9 Prozent auf 5,22 Cent (Vorjahr 5,27 Cent) zu senken. Inklusive Treibstoff reduzierten sich die CASK um 1,4 Prozent auf 6,99 Cent (Vorjahr 7,09 Cent). Die Kostensenkungen konnten trotz der um 5,8 Prozent gestiegenen Ausgaben für Flughafengebühren, Flugsicherungsentgelte und der entsprechenden Luftverkehrssteuer erreicht werden. Die Personalkosten erhöhten sich durch Lohnsteigerungen und Einmaleffekte wie z.B. die Schließung von Crewbasen um 6,4 Prozent.

Die Zahl der Fluggäste auf den Codeshare-Strecken mit oneworld-Partnern hat sich mit einem Wachstum von fünf Prozent auf 488.000 positiv entwickelt. Die Zahl der Fluggäste auf gemeinsamen Strecken mit Etihad stieg in den ersten neun Monaten auf insgesamt 413.000 Gäste und damit um vier Prozent. Zusätzliche Strecken von Berlin, Stuttgart und Wien sollen zukünftig zum weiteren Wachstum beitragen.

Ein Neustrukturierungsprogramm soll eine Ergebnisverbesserung bis 2016 von 400 Millionen Euro bewirken. Die Ergebnisbeiträge setzen sich wie folgt zusammen: ca. 40 Prozent durch Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen, ca. 20 Prozent durch die Netzwerk-restrukturierung sowie weitere 40 Prozent durch zusätzliche Erträge sowie eine deutlich verbesserte Marktbearbeitung, so die Airline.

Wesentliche Elemente des Programms sind:

Streckennetz: Mit der Umstrukturierung des Streckennetzes hat airberlin die Kernmärkte gestärkt und nicht profitable Strecken aus dem Netzwerk gestrichen. Hauptmärkte werden mit erhöhten Frequenzen bedient um ein starker Mitbewerber auf diesen Strecken zu sein. Insgesamt hat diese Streckennetzanpassung zu einer Kapazitätsminderung von fünf Prozent geführt. airberlin baut ihre Marktführerschaft in Berlin, Düsseldorf und Palma de Mallorca sowie die starke Position in anderen wichtigen Zielen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus.

Flottenharmonisierung: Das europäische Streckennetz künftig mit einer einheitlichen Standardrunpf-Flotte im Kurz- und Mittelstreckenbereich betrieben. Die Vereinheitlichung von der Boeing 737 auf die Airbus A320-Familie soll bis Ende 2016 abgeschlossen sein. airberlin hat zur Zeit noch zehn Flugzeuge Airbus A321 geordert und wird weitere A320-Flugzeuge am Markt erwerben sowie 14 Maschinen von einer europäischen Airline übernehmen. Um weitere Synergien in der Flotte zu realisieren, wird der Langstreckenbereich weiter mit Airbus A330 betrieben, deren Leasingverträge verlängert wurden. airberlin hat bereits im September mit Boeing eine Einigung darüber erzielt, dass die Bestellungen von 18 Boeing 737- und 15 Boeing 787-Flugzeugen aufgehoben werden. Dies soll den künftigen Kapitalaufwand von airberlin reduzieren sowie die Bilanzstruktur erheblich verbessern.

Fortschritte bei der Straffung der operativen Plattformen: airberlin arbeitet daran, die Effizienz ihrer operativen Plattformen (AOCs) zu steigern mit dem Ziel, dass jede Plattform zum Ergebnis beiträgt. Die Umstrukturierung der Schweizer belair ist bereits angelaufen. Hier soll eine ähnlich tragfähige Kostenstruktur geschaffen werden wie bei NIKI und der LGW. Für die österreichische NIKI wurde ein Kollektivvertrag zu wettbewerbsfähigen Bedingungen abgeschlossen.

Personalanpassungen: airberlin hat bereits fünf von 15 Crew-Basen in Dresden, Dortmund, Erfurt, Hannover und Münster/Osnabrück geschlossen. Den Mitarbeitern wurden entsprechende Angebote an den anderen deutschen Standorten gemacht. Nachdem im Rahmen des Programms „Turbine“ bereits 850 Stellen entfielen, plant airberlin um einen "sozialverträglich gestalteten Abbau" weiterer 200 Stellen in der Verwaltung und in bestimmten Bodenbeschäftigungsverhältnissen. Dazu hat die Geschäftsführung Gespräche mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen aufgenommen.

Marktbearbeitung: airberlin wird ihre kommerzielle Effizienz deutlich steigern. Ein neues Revenue-Management-System wird für eine schnellere Marktbearbeitung sorgen und Umsatzpotenziale durch exaktere Voraussagen über bestimmte, nachgefragte Strecken, potenzielle No-Shows oder Stornierungen heben. Eine optimierte Analyse und Steuerung dieser Faktoren erlaubt eine präzisere Preispolitik und wirkt sich insgesamt umsatzsteigernd aus. airberlin etabliert zudem eine neue Distributionsstrategie für die zielgruppen-adäquate Ansprache aller Segmente. Zeitgemäße online Vertriebskanäle und Apps sollen neue Kundengruppen erschließen. airberlin will ihre Position in der Touristik ausbauen und die Zusammenarbeit sowohl mit den Gästen direkt als auch mit den Reiseveranstaltern intensivieren.

Erweiterte Kooperationen: Durch eine enge Zusammenarbeit mit Alitalia will airberlin ihre Position in Südeuropa stärken und künftig eine Reihe neuer Destinationen in Italien bedienen, unter anderem durch eine Verlagerung der Flüge in Mailand von Malpensa nach Linate. Weitere Codeshares und eine engere Zusammenarbeit sind mit American Airlines und Iberia in der Planung. Zur Wintersaison wurden auch neue Flüge von Stuttgart und Wien nach Abu Dhabi aufgenommen. Diese werden ebenso mit einer Flugnummer vom Partner Etihad Airways versehen wie die zusätzlichen Flüge ex Berlin.

Mit den begonnenen Maßnahmen werde sichergestellt, dass airberlin auch in Zukunft ein wettbewerbsfähiger Anbieter in Europa, ein starker Partner für die Touristik und ein Full-Service-Anbieter mit einem Premiumprodukt auf der Langstrecke bleibe, so das Unternehmen.

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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