09.04.2013
aero.de

airberlin und oneworld driften langsam auseinander

Die Mitgliedschaft von airberlin in der oneworld-Allianz kocht seit einem Jahr auf kleiner Flamme.

"Eine Allianz ist wie ein Club, in dem man sich die Partner suchen kann, mit denen man enger zusammenarbeitet. So halten wir das auch", beschrieb der neue airberlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer ein nüchternes Verhältnis zur Allianz vergangene Woche im "Handelsblatt". Prock-Schauer stellte klar, airberlin weiter auf den Partner Etihad auszurichten.

Der Beitritt in die oneworld-Allianz wurde noch von Joachim Hunold eingefädelt, der die Mitgliedschaft als "wichtigste Unternehmensentscheidung seit dem Börsengang" pries. Mit ihrem neuen Hub BER im Rücken sollte airberlin eine tragende Rolle innerhalb der europäischen oneworld-Mitglieder einnehmen.

Bei der Aufnahmefeier im März 2012 hatte sich die Ausgangslage aber bereits grundlegend geändert. In Berlin führte inzwischen nicht mehr Joachim Hunold sondern Hartmut Mehdorn die Geschäfte. Die verlustreiche airberlin musste in den Monaten zuvor dringend einen finanzstarken Unterstützer gewinnen, um Schlimmeres abzuwenden und einen überfälligen Sanierungskurs zu beginnen.

Allianzpartner American Airlines kam für diese Rolle nicht mehr in Frage - die Texaner hatten im Herbst 2011 den Weg der geordneten Insolvenz gewählt, um sich selbst neu aufzustellen. British Airways fiel ebenfalls aus - der IAG-Konzern hatte mit Iberia bereits an einem eigenen Sanierungsfall zu kauen.

Mehdorn blieb daher kaum eine andere Wahl, als sich nach einem Partner außerhalb des oneworld-Clubs umzusehen. In Abu Dhabi wurde er fündig. Etihad Airways war nicht nur bereit, airberlin mit Geld aus der Patsche zu helfen, sondern bot den Berlinern dazu noch eine berechenbare strategische Perspektive.


airberlin setzt auf Abu Dhabi
Mit dem von Etihad gebotenen Paket gemeinsam vermarkteter Strecken, einem weit aufgefächerten Anschlussnetzwerk und mehr Geschäftsreisenden in den Fliegern kann airberlin die dringend benötigte Steigerung ihrer Margen schneller erreichen als innerhalb der oneworld-Strukturen.

Auf der Kostenseite hilft den Berlinern die Partnerschaft mit Abu Dhabi ebenfalls. Ein gemeinsamer Einkauf, die langfristige Angleichung der Flotten und die Zusammenlegung der Wartung sollen das operative Ergebnis entlasten.

Die strategische Partnerschaft mit Etihad sei "ein zentraler Baustein", um airberlin wieder rentabel zu machen, befand Prock-Schauer im Handelsblatt.

Der Preis für eine Zukunft an der Seite von Etihad ist, dass airberlin und oneworld nicht wie von Hunold erdacht zusammenwachsen werden. Durch die Zusammenarbeit mit dem SkyTeam-Konzern Air France-KLM und dem Beitritt von Qatar Airways zur oneworld werden sich airberlin und ihre Allianz in den nächsten Jahren eher weiter voneinander entfernen.

Ein Austritt von airberlin aus dem Bündnis muss dennoch nicht die logische Folge sein, denn externe Partnerschaften sind inzwischen für keine Allianzairline ein Tabu mehr. Sogar der oneworld-Anker American Airlines unterhält inzwischen beste Kontakte und Codeshare-Verbindungen mit Etihad Airways.

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aero.de / Dennis Dahlenburg


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