17.08.2015
Erschienen in: 08/ 2015 FLUG REVUE

NeustartAlitalia erneuert Marke und Kabine

An der Seite von Großinvestor Etihad Airways will sich Alitalia auf ihre große Zeit als fliegendes Aus­hängeschild Italiens zurückbesinnen und mit neuen Langstreckenverbindungen mehr Passagiere an ihre Drehkreuze Rom und Mailand bringen.

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Die Filme im Alitalia-Hangar 7 am Flughafen Rom-Fiumicino kündeten bei der Präsentation des neuen Marken-Erscheinungsbildes „Un nuovo Futuro“ von Alitalia, Anfang Juni, vor allem von deren großer Vergangenheit: Sie zeigten elegant gekleidete Fünfziger-Jahre-Filmstars beim Boarding, eine frühere, hauseigene Düsenjäger-Staffel für das Pilotentraining, gediegenen Kabinenkomfort mit weiß bezogenen, breiten Sesseln und aufwendigem Catering vom Servierwagen, die einstigen Jumbo Jets und die verwegen-modisch gewandeten Stewardessen-Uniformen der siebziger Jahre. Alitalia als unsterbliche Marken-Ikone.

Doch schon lange befand sich das Unternehmen wirtschaftlich im Sinkflug. Trotz vielerlei Reformanläufen und Führungswechseln überlebte Alitalia nur noch mit immer neuen Regierungshilfen, bis die EU dieser Praxis Einhalt gebot. Beeindruckende 7,4 Milliarden Euro italienischer Staatshilfen sollen in den letzten 40 Jahren an „AZ“, so das Airlinekürzel, geflossen sein.

Nur noch ein externer Investor konnte Alitalia retten. Diese Chance bot sich Ende 2014 mit dem Einstieg der gleichermaßen wachstumshungrigen wie wohlhabenden Etihad Airways aus Abu Dhabi bei den Italienern. Für 387,5 Millionen Euro kauften die Emiratis nicht nur 49 Prozent der Alitalia-Aktien, sondern gleich auch noch für 112,5 Millionen Euro 75 Prozent der Anteile an deren Vielfliegerprogramm-Holding Alitalia Loyalty Spa sowie für 60 Millionen Euro fünf Slotpaare in London-Heathrow. Außerdem wurden 598 Millionen Euro für die Restrukturierung von Krediten zur Verfügung gestellt und für 300 Millionen Euro zusätzliche Kredite für die italienische Airline mit vollen EU-Verkehrsrechten bei italienischen Banken ermöglicht. Alles in allem dürfte sich Etihad ihren Einstieg um die 1,7 Milliarden Euro kosten lassen.

„Alitalia ist eine Legende“, schwärmte Etihad-Vorstandschef und nun auch Alitalia-Großaktionär James Hogan bei der Vorstellung des neuen Erscheinungsbildes in Rom. „Von Anfang an war klar, dass sie viel Potenzial hat. Wir haben die Marke Alitalia und den Markt Italien vorher genauestens studiert“, verriet Hogan. „Und wir haben gesagt, wenn wir Italien stark mit Alitalia verknüpfen, haben wir eine große Chance, das Geschäft zu entwickeln.“ Nach diesem Grundsatz will Alitalia jetzt ihre legendäre Marke überarbeiten und die Kabinenausstattung mit italienischen Luxuszutaten aufwerten: Die Flugzeuge verlieren ihr grünes Fensterband und tragen nun auch unter dem Rumpf den großen Namensschriftzug. Neuerdings glitzert der Rumpf in einem leicht an Etihad erinnernden Speziallack mit Perlmutt-Effekt, unter dem sich erst am Heck mit einem Streifenmuster das klassische Alitalia-A herausschält.

In der Kabine des ersten Airbus A330 im neuen Alitalia-Standard – übrigens einem jungen Gebrauchtflugzeug aus Etihad-Beständen, das jetzt nach der römischen Barockmalerin Artemisia Gentileschi benannt wurde – dominieren italienischer Stil und ein Markenfeuerwerk italienischer Ausstatter:  Die elegante Business Class ist in Grau- und Beigetönen gehalten. Ihre Ledersessel stammen von Luxusmöbelhersteller Poltrona Frau, der auch die A380-Kabine bei Etihad ausstattet. Die roten Kissen auf den Sitzen stammen von der Edel-Stofffirma Frette, das feine Porzellangeschirr von Richard Ginori und der Kulturbeutel von Salvatore Ferragamo. Alitalia will wieder in der Spitzenliga mitspielen.


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