09.02.2015
FLUG REVUE

Erste Erkenntniss zur UnglücksursacheATR-Absturz: Piloten schalteten falsches Triebwerk aus

Beim Absturz der ATR 72-600 von TransAsia am 4. Februar in Taipeh schalteten die Piloten aus Versehen das noch funktionierende Triebwerk ab.

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Im Mittelpunkt der Unfall-Untersuchung der ATR 72-600 von TransAsia stehen die PW127M-Motoren von Pratt & Whitney Canada. Foto und Copyright: ASC Taiwan  

 

TransAsia-Absturz am 04.02.2015 in Taipei, © YouTube

Erste Informationen der taiwanesischen Luftfahrt-Sicherheitsbehörde ASC (Aviation Safety Council) zum ATR-Absturz in Taipeh zeigen, dass 37 Sekunden nach dem Abheben der ATR 72-600 (Flug GE235; Kennung B-22816) vom Flughafen Taipeh-Songshan im Cockpit eine Fehlerwarnung zum Ausfall des rechten Triebwerks (Nummer 2) aufleuchtete. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Flughöhe rund 360 Meter. Fünf Sekunden später  - um 10.52:43 Ortszeit - wurde der Leistungshebel des linken Triebwerks (Nummer 1) zurückgezogen, bis er in Leerlaufstellung war, und die Treibstoffversorgung abgeschaltet war. Die Piloten besprachen, dass das linke Triebwerk ausgefallen sei. Um 10:53:06 ging der Propeller des rechten PW127M-Antriebs in Segelstellung. Sechs Sekunden später erklang eine erste Strömungsabriss-Warnung.

Um 10:53:19 besprach die Besatzung, das linke Triebwerk wieder anzulassen. Zwei Sekunden spärer gab es eine zweite Stall-Warnung, und um 10:53:34 gab die Crew den Funkspruch ""Mayday! Mayday! Engine flame out!" ab. Laut den im Flugschreiber aufgezeichneten Parametern wurde das linke Triebwerk um 10:54:20 wieder gestartet. 14 Sekunden später ertönte ein weiteres Warnsignal; unmittelbar danach hören die Aufzeichnungen auf. Die Besatzung interpretierte somit die Fehlermeldung falsch und schaltete statt des betroffenen rechten Triebwerks das linke ab, und das innerhalb von nur fünf Sekunden. Neben den beiden Piloten (Erfahrung von 4914 und 6922 Flugstunden) befand sich auch ein Fluglehrer (16121 Flugstunden) im Cockpit. Alle drei überlebten das Unglück nicht. Bei dem Absturz kamen 40 der 58 Personen ab Bord ums Leben, drei Insassen wurden noch vermisst. 

Einen ähnlichen Unfall hatte es bereits am 8. Januar 1989 gegeben, als eine Boeing 737-400 von British Midland bei Kegworth in Großbritannien abstürzte. Im Steigflug löste sich eine Bläserschaufel im linken Triebwerk. Die Besatzung schaltete aber das funktionierende rechte Aggregat ab. Kurz vor der Notlandung in East Midlands fiel der beschädigte linke Antrieb komplett aus, und der Jet schlug auf der M1-Autobahn auf. 47 von 126 Personen an Bord kamen ums Leben.

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flugrevue.de/Patrick Hoeveler


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