Austrian Airlines muss Sanierungstempo erhöhen

Der Vorstand von Austrian Airlines will durch umfassende Maßnahmen die Ertragskraft der österreichischen Fluglinie substantiell verbessern und das Unternehmen endlich zukunftsfit machen.

Das neue Programm ist notwendig, da die Sanierungsmaßnahmen der letzten drei Jahre die Lage trotz widriger Rahmenbedingungen und Krisen gegen den Branchentrend zwar deutlich verbesserhat, das ursprüngliche Ziel eines positiven operativen Ergebnisses jedoch noch nicht erreicht wurde.

Laut Unternehmen hat das neue Vorstandsteam die Ursachen in den letzten Monaten gründlich analysiert und festgestellt, dass sie darin liegen, dass Austrian Airlines im Vergleich zu relevanten Konkurrenzairlines historische Strukturnachteile aufweisen, die vor allem wegen der deutlich verschlechterten Standortbedingungen in Österreich nicht mehr kompensierbar sind und daher geändert werden müssen.

Laut Statistik Austria sind allein die Ticketpreise im Europaverkehr zwischen 2006 und 2010 um 50 Prozent gesunken. Der Treibstoffpreis hat sich gleichzeitig verdoppelt. 2011 ist die Schere weiter aufgegangen und 2012 wird sich das voraussichtlich fortsetzen.

Für 2012 prognostiziert die IATA der europäischen Luftfahrt auf Grund des Wirtschaftseinbruchs und der Staatschuldenkrise einen Verlust von schlimmstenfalls bis zu vier Milliarden US-Dollar.

Zusätzlich wird der Druck auf die Preise durch den starken Wettbewerb am Standort Wien - der im internationalen Wettbewerbsvergleich zu teuer ist - weiter hoch bleiben. Vorstandsvorsitzender Jaan Albrecht: “Wir müssen daher mit einem gemeinsamen Arbeitsprogramm unsere strukturellen Defizite und Probleme beheben. Ich möchte Austrian Airlines ein für alle Mal in die schwarzen Zahlen fliegen – und zwar mit der gesamten Mannschaft.“

Der Vorstand hat in den letzten Wochen ein Arbeitsprogramm entwickelt, das von allen internen und externen Beteiligten einen Beitrag vorsieht, um Austrian nachhaltig auf Wachstumskurs zu bringen. Das Programm setzt sich aus zwei Drittel Kostensenkungen und einem Drittel Erlössteigerungen zusammen.

Austrian wird die Vertriebsaktivitäten im Heimatmarkt intensivieren. Durch die Bündelung der Vertriebsaktivitäten von Lauda Air und Austrian wird der Leisure Sales deutlich gestärkt. Die Marke Lauda Air bleibt bestehen. Im Corporate Sales wird der mittelständischen Struktur Österreichs durch die Weiterentwicklung des Firmenprogramms im Lufthansa Verbund besondere Rechnung getragen.

Austrian Airlines plant, die Flotte in der Mittelstrecke im Jahr 2012 auf die Airbus A320 Familie zu harmonisieren: Alle elf Boeing 737 sollen zeitnah ausgeflottet werden und abhängig von der kurzfristigen Marktentwicklung durch bis zu sieben Airbus A319/A320 ersetzt werden.

Damit senken Austrian Airlines Wartungskosten, verbessert die Crewplanung und steigert die Produktivität. Dieser Schritt erfordert allerdings hohe Investitionen, die Austrian Airlines aus eigener Kraft noch nicht finanzieren kann. Der Eigentümer Lufthansa ist bereit, Austrian Airlines dabei zu unterstützen. Aber nur unter der Voraussetzung, dass Austrian Airlines vorher die Kostenstruktur deutlich verbessert hat.

Austrian Airlines werden auch ihr Streckenetz weiter anpassen: Einzelne Destinationen, die keine profitable Perspektive haben, werden gestrichen. Zugleich wird Austrian mehr Flüge von Wien nach Bukarest, Belgrad und Sofia anbieten.

Der Standort Wien muss für den Luftverkehr billiger werden, um annähernd mit anderen Standorten in Europa vergleichbar zu sein: Dazu erwartet Austrian Airlines von der Politik vor allem eine Abschaffung der Ticketsteuer und eine Reihe anderer Maßnahmen, die den Zielsetzungen der vom Verkehrsministerium publizierten Roadmap Luftfahrt entsprechen.

Austrian Airlines werden mit den Standortpartnern, dem Flughafen Wien und der Austro Control die Gebühren neu verhandeln. Austrian Airlines werden gemeinsam mit den Lieferanten prüfen, wie das Leistungsportfolio angepasst werden kann.

Austrian Airlines wird aber auch bei den Personalkosten ansetzen. Hier geht es vor allem um die Dynamik des Kostenanstiegs: Die Personalkosten lagen im ursprünglichen Budget für das Jahr 2012 praktisch wieder auf dem Stand von 2009 – und das war vor dem massiven Mitarbeiterabbau um fast 1.500 Stellen und dem Gehaltsverzicht der Mitarbeiter.

Die rasche Umsetzung dieses Arbeitsprogrammes ist Voraussetzung, dass Austrian Airlines wieder wachsen und in die Langstreckenflotte investieren können. Gerade in der Langstrecke zeigten die Sanierungsbemühungen der letzten Jahre gute Erfolge. Der Ausbau dieses Segments ist erfolgskritisch für die endgültige Sanierung sowie für das zukünftige Wachstum.

Bereits im Winter 2012/13 wird die Kabine der Langstreckenflotte mit einem dreistelligen Millionen-Euro-Betrag umgerüstet. Austrian Airlines streben an, im Jahr 2013 ein Wachstum der Langstreckenflotte um zwei Flugzeuge zu erreichen.

Der Vorstand wird das Arbeitsprogramm zuerst dem Aufsichtsrat vorlegen und anschließend mit allen Beteiligten intern und extern diskutieren. „Jeder, der eine langfristig zukunftsfähige Austrian Airlines und einen volkswirtschaftlich bedeutenden Luftfahrtstandort Wien haben möchte, wird von der Notwendigkeit der raschen Umsetzung des Maßnahmenpakets überzeugt sein“, zeigt sich Vorstandsvorsitzender Jaan Albrecht zuversichtlich.

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KS



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