28.09.2012
FLUG REVUE

BFU-Bericht: Airbus-Notlandung 2010 wegen Rauchs im CockpitBFU-Bericht: Airbus-Notlandung wegen Rauchs im Cockpit

Ein Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) enthüllt erst jetzt, dass ein Airbus A319-132 von Germanwings im Dezember 2010 in Köln notlanden musste, weil die Piloten durch Rauch im Cockpit erheblich in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt waren. Nach der glimpflich verlaufenen Notlandung blieb der Copilot ein halbes Jahr lang dienstunfähig. Die BFU-Untersucher erfuhren erst nachträglich von der Schwere des Zwischenfalls.

Germanwings A319

Germanwings steuert mit seiner Airbus Flotte zahlreiche Ziele in Deutschland und Europa an (C) Germanwings Photo  

 

Laut des am 27. September 2012 veröffentlichten Zwischenberichts der BFU über das Ereignis vom 19. Dezember 2010, er enthält noch keine abschließende Beurteilung, bemerkte der steuernde Copilot beim Landeanflug auf Köln Übelkeit durch einen dichten, intensiven, „elektrisch-süßlichen“ Geruch. Seine Arme und Beine hätten sich taub angefühlt und er habe nicht mehr klar denken können. Auch der Kapitän habe starkes Kribbeln in Händen und Füßen gespürt und bemerkt, wie ihm „im wahrsten Sinne des Wortes die Sinne schwanden“, so die BFU. Sein Gesichtsfeld habe sich nahezu schlagartig eingeschränkt (Tunnelblick) und er verspürte ein starkes Schwindelgefühl.

Beide Piloten setzten ihre Sauerstoffmasken auf. Der in seiner Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkte Copilot übergab das Steuer an den Kapitän, der eine Notlage erklärte und, ohne die übliche Arbeitsteilung, alleine eine problemlose Notlandung durchführte. Allerdings habe der Kapitän erklärt, dass er unbedingt im ersten Anlauf habe landen müssen, weil er ein eventuell nötiges Durchstartmanöver wegen seiner eigenen Beeinträchtigung nicht mehr habe schaffen können. Beide Piloten wurden nach der Landung mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht, konnten aber nach zwei Stunden entlassen werden. 

Das Flugzeug wurde direkt anschließend von Airline-Technikern untersucht, wobei auch die Techniker den Geruch deutlich wahrnahmen, den sie auf verbrannte Einteisungsflüssigkeit zurückführten. Trotz Probeläufen, Überprüfungen und Reinigung der Sauerstoffanlage wurde keine weitere Ursache gefunden. Nach einem Probeflug ging das mit IAE V2524-A5-Triebwerken ausgerüstete Flugzeug wieder in den Liniendienst. Auch ein ausführlicher C-Check ein Jahr nach dem Zwischenfall habe keine weiteren Mängel zutage gefördert.

Die BFU wurde nach ihren Angaben erst ein Jahr nach dem Zwischenfall tätig, weil ihr erst dann zusätzliche Informationen bekannt wurden, nach denen sie das Ereignis als untersuchungswürdig einstufen konnte. Vorherige Informationen der Airline hätten nur von "Geruch", nicht von "Rauch", in der Kabinenluft gesprochen und behauptet, die Crew habe keine Vergiftungserscheinungen erlitten. Daraufhin habe die BFU das Ereignis zunächst nicht weiter verfolgt. Die Besatzung war jedoch erheblich beeinträchtigt: Während sich der Kapitän schnell erholt habe, sei der Copilot ein halbes Jahr lang dienstunfähig gewesen.

Germanwings erklärte am Freitag, sie habe dem Luftfahrtbundesamt und der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung alle zur Verfügung stehenden Informationen zu dem Zwischenfall sofort und unverzüglich zur Verfügung gestellt und dabei den Vorfall selbst als „gravierend“ eingestuft. Der Pilot habe nach der Landung, noch im Cockpit, das Formular der BFU ausgefüllt. Auch der lokale BFU-Vertreter sei sofort informiert worden. Der Kapitän habe Germanwings gegenüber gesagt, er habe trotz körperlicher Beeinträchtigung „jederzeit alles unter Kontrolle“ gehabt.

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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