06.08.2014
FLUG REVUE

Flugsicherung fordert weiter 15 Kilometer SicherheitsabstandDFS: Windkraftanlagen nicht zu dicht an Funkfeuern errichten

Die Deutsche Flugsicherung fordert, Windkraftanlagen nicht in der Nähe von Navigationsanlagen zu errichten. Grund sind befürchtete Störungen. Damit widerspricht die Flugsicherung einem aktuellen Gutachten der Windkraftindustrie, das den Sicherheitsabstand grundsätzlich auf nur noch drei Kilometer hatte begrenzen wollen.

UKW-Drehfunkfeuer_Sulz_DFS

Die Antennenanlage des UKW-Drehfunkfeuers Sulz in Süddeutschland. Die Flugsicherung befürchtet, dass zu nahe in der Nachbarschaft errichtete Windkraftanlagen den sicheren Empfang ihrer Funkfeuer stören könnten. Foto und Copyright: DFS  

 

Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH werde bis auf Weiteres ihre Berechnungsmethode zur Bewertung des Störpotentials von Windkraftanlagen auf Funknavigationsanlagen beibehalten, teilte die DFS am Dienstag mit. Gegenteilige Untersuchungen, die von einer wesentlich schwächeren Störung ausgingen, habe die DFS von zwei auf diesem Gebiet sehr renommierten internationalen Instituten überprüfen lassen. Beide Organisationen seien unabhängig voneinander zu dem Schluss gekommen, dass die am Funkfeuer Michaelsdorf durchgeführten Messungen nicht ausreichend belastbar seien, um auf dieser Grundlage die bestehende Berechnungsmethode der DFS zu ändern.

Eine Einzelstudie am Funkfeuer Michaelsdorf in Schleswig-Holstein war zuvor zu dem Ergebnis gekommen, schon bei einem Abstand von nur drei Kilometern seien keine Störungen mehr nachweisbar. Dem widerspricht die DFS nun: Experten der Ohio University und der französischen ENAC (Ecole Nationale de l’Aviation Civile) bestätigten zwar die grundsätzliche Gültigkeit der Messergebnisse, bezweifelten jedoch die aus diesen Ergebnissen gezogenen Schlussfolgerungen. Insbesondere sei die Allgemeingültigkeit der Studienergebnisse und damit die Übertragbarkeit auf andere Navigationsanlagen als das Funkfeuer Michaelsdorf nicht gegeben. Beide Institute sähen es als nicht nachgewiesen an, dass von Windenergieanlagen jenseits der Drei-Kilometer-Grenze um das Funkfeuer Michaelsdorf keine nennenswerten Störauswirkungen auf die Navigationssignale ausgehen. 

Damit bleibt die DFS bei ihrer bisherigen Forderung von 15 Kilometern Sicherheitsabstand um Navigationsanlagen. Der Windkraftindustrie ist dieser Sicherheitsradius zu groß. Zuletzt hatte es deshalb juristischen Streit um vier geplante Windkraftanlagen im Frankfurter Raum gegeben.

Die DFS unterstütze den Dialog der internationalen Experten auf diesem Gebiet und stehe einer Diskussion neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse offen gegenüber, so die Flugsicherung. Solange jedoch keine gesicherten neuen Erkenntnisse oder anderslautende Vorgaben der Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) vorlägen, befolge die DFS die vorgegebenen internationalen Standards. Sie trage damit ihrer Verantwortung für die Sicherheit im Luftverkehr Rechnung. 

Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist ein bundeseigenes, privatrechtlich organisiertes Unternehmen mit 6049 Mitarbeitern. Ihre rund 2000 Fluglotsen lenken täglich bis zu 10.000 Flüge im deutschen Luftraum, im Jahr rund drei Millionen. Deutschland ist damit das verkehrsreichste Land in Europa. Das Unternehmen betreibt Kontrollzentralen in Langen, Bremen, Karlsruhe und München sowie Kontrolltürme an den 16 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland. Zudem ist die DFS in der Eurocontrol-Zentrale in Maastricht vertreten. Weitere Arbeitsgebiete sind Aeronautical Solutions (Consulting) und Aeronautical Information Management (Luftfahrtdaten).

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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