19.07.2015
Erschienen in: 03/ 2015 FLUG REVUE

FlaggschiffeDie neue Luxusklasse bei Etihad Airways

Etihad Airways setzt bei der A380 noch einen drauf: Ihre neue Luxusklasse „The Residence“ bietet zahlungswilligen Fluggästen Butler, Bad und Doppelbett.

Der stolze erste Fluggast in der neuen „Residence“-Luxusklasse an Bord der A380 von Etihad war der amerikanische Kosmetik-Unternehmer, Flugzeugfan und Flugpremieren-Stammgast Gino Bertuccio aus Miami. Bertuccio war in den letzten 25 Jahren bei 22 ersten Linienflügen, darunter jenen von Airbus A380 und Boeing 787, an Bord. Er nahm auch am 27. Dezember auf Flug ET11 von Abu Dhabi nach London-Heathrow auf Sitz 1A in „Zone 1“ Platz, also in seinem persönlichen Abteil der „Residence“-Klasse. Ticketpreis: umgerechnet 18200 Euro. Einfach, versteht sich. Da im „Residence“-Preis stets ein Platz für einen zweiten Gast inkludiert ist, lud sich der allein reisende Bertuccio zum Abendmenü einen ausgelosten Gast der Ersten Klasse in sein Abteil ein und, nach einer kurzen Nachtruhe in seinem Schlafzimmer mit großem Bett und eigener Dusche im persönlichen Badezimmer, am nächsten Morgen einen Gast der Economy Class zum Frühstück in sein „Esszimmer“. Umsorgt wurde er dabei von einer an der Hotelakademie des Londoner „Savoy“ ausgebildeten Butlerin und von einem persönlichen Koch. Die Speisekarte wurde mit seinem Namen bedruckt, und ein Brief des Kapitäns begrüßte den Gast an Bord. Zum Abschied wurde feierlich eine lederne Geschenkbox mit einer gläsernen, arabischen Dau und einer Erinnerungsplakette überreicht. 

Übernommen hatte Etihad A6-APA, das via Hamburg ausgelieferte 150. Kundenflugzeug mit der Werknummer MSN166, als ihren ersten von zehn bestellten Airbus A380-800 mit einem feierlichen Empfang in Abu Dhabi am 18. Dezember. Dabei war als Vorpremiere auch schon die eigens aus Everett angereiste erste Boeing 787-9 des Unternehmens zu Gast, die vor ihrer (mittlerweile erfolgten) endgültigen Auslieferung von der Stippvisite allerdings noch einmal nach Seattle zurückkehrte. Beide neuen Muster offenbarten erst bei der Premiere in Abu Dhabi ihre neue Farbgebung, die bis dahin nur auf Nachtaufnahmen hatte gezeigt werden dürfen. Etihad dekoriert die Hecks all ihrer Flugzeuge künftig mit avantgardistischen, geometrischen Mustern in Gold- und Brauntönen, behält aber den gewohnten Schriftzug bei. Die Flugzeugrümpfe schimmern ebenfalls golden. 

Bis Jahresende 2015 erhält Etihad je fünf A380 und Boeing 787-9. Die zweite A380 wird ab dem zweiten Quartal ebenfalls auf der London-Route verkehren. Für die 787-9 sind als erste Ziele Düsseldorf, Washington, D.C., Mumbai, Moskau und Brisbane vorgesehen. Beide neuen Flaggschiffe haben eine Gebetsfläche an Bord – ein elektronischer „Quibla Finder“, eine Echtzeitanzeige, wie zum islamischen Gebet vorgeschrieben, weist die jeweils genaue Richtung gen Mekka. 

Vor allem mit der neuen, spektakulären Luxusklasse „The Residence“ hat es Etihad als bereits 13. Airbus-A380-Betreiber geschafft, mit dem Riesen erneut Maßstäbe zu setzen. Etihad vergleicht die Preise für das „Residence“-Ticket mit den mindestens fünfmal höheren Kosten eines repräsentativen Privatjets auf der gleichen Route. Dafür biete das Linienflugzeug die gleiche Privatsphäre und Abgeschiedenheit und die gleichen Annehmlichkeiten mit Dusche, Butler und Koch. Nach der erfolgreich eingeläuteten Flottenmodernisierung auf Topniveau steht nun für die Fluggesellschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten die Anpassung der Bodendienste am Drehkreuz Abu Dhabi an das in der Luft schon erreichte Spitzenniveau an. 

2017 soll in Abu Dhabi der hypermoderne „Midfield Terminal Complex“ eröffnet werden. Bis dahin stoßen die vorhandenen Anlagen angesichts des enormen Wachstumskurses an ihre Grenzen. Anfang Januar musste der Flughafen wegen extremer Nebellagen aus Sicherheitsgründen zeitweise schließen, wodurch tausende Reisende bei schon ausgebuchten Hotels am Flughafen strandeten oder stundenlang an Bord blockierter Flugzeuge verweilen mussten. Etihad kündigte bereits eine Überprüfung ihrer Verfahren und Serviceverbesserungen an.

FLUG REVUE Ausgabe 03/2015

www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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